Ausstellungen: Köln · von Rainer Wick · S. 201
Ausstellungen: Köln , 1982

Von der Malerei zum Design

Galerie Gmurzynska, Köln

Daß sich die Kunst der 20er Jahre seit geraumer Zeit eines anhaltenden Interesses erfreut, hat nicht nur mit jenen rasch aufeinanderfolgenden nostalgischen Retro-Moden zu tun, die zuerst einen neuen Jugendstil-Boom bescherten und mittlerweile schon die 50er Jahre eingeholt haben, auch nicht nur mit Kunstmarkt-Tendenzen, die gerade in den 70er Jahren Galeristen und Sammler Sicherheit im geschichtlich Etablierten suchen ließen. Die Ursachen für das Interesse an den 20er Jahren liegen tiefer. Mit zunehmender historischer Distanz erkennen wir immer deutlicher, daß dieses Jahrzehnt reicher an fundamentalen ästhetischen Innovationen war als jeder andere Zeitabschnitt unseres Jahrhunderts sonst. Ja mehr noch, es wird uns allmählich bewußt, daß die Zahl der damals aufkommenden neuen schöpferischen Ideen die praktischen Möglichkeiten ihrer Verwirklichung um ein Vielfaches überstieg. D. h. das, was uns neben dem tatsächlichen Realisierten mehr und mehr zu faszinieren beginnt, ist das, was der russische Kunstwissenschaftler Chan-Magomadow unlängst sehr treffend als das „nichtrealisierte Erbe“ der 20er Jahre bezeichnet hat, ein Erbe, aus dem die nachfolgenden Künstlergenerationen unaufhörlich geschöpft haben und auch noch immer schöpfen. Dies gilt z. B. für De Stijl und für das Bauhaus; wer sich einmal der Mühe unterzieht, Klees „pädagogischen Nachlaß“ zu studieren, wird überrascht feststellen, wie sehr die von Klee am Bauhaus zu Lehrzwecken ausgearbeiteten bildnerischen Konzepte von späteren Künstlern aufgenommen, ja ausgebeutet worden sind. Und mehr noch als für De Stijl und Bauhaus scheint die These vom nichtrealisierten Erbe der 20er Jahre für die Kunst in Rußland nach der Oktoberrevolution zuzutreffen, zumal dieses progressive…

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