Ausstellungen: Rottweil · von Michael Hübl · S. 386
Ausstellungen: Rottweil , 1999

Michael Hübl

Christiane Löhr

»Zwischen Handlung und natürlichem Prozeß«

Forum Kunst, Rottweil, 7.3. – 18.4.1999

Seit die Moderne den Naturalismus überwunden hat, sind Kunst und Natur in eine neue Beziehung zueinander getreten. Das Ende der bildlichen Nachahmung (die noch nicht Mimesis bedeutet) hat zu unterschiedlichen Versuchen der Annäherung geführt. Behelfsmäßig könnte man drei Kategorien unterscheiden: Eine strukturelle, eine mimetische und eine materielle. Da ist einmal die Suche nach Grundstrukturen, Analogien oder gar Homologien zwischen natürlichen Prozessen und rationalen Denkmodellen; Mario Merz beispielsweise hat sie vermittels der Fibonacci-Reihe vor Augen geführt. Zum zweiten gibt es die prototypische Renaturierung des Menschen, der unter (vorübergehendem und teilweisem) Verzicht auf die prothetischen Hüllen und Hilfen der Zivilisation sich selbst gleichsam auswildert, um den Urzustand wiederzuentdecken; siehe etwa Niels Udo, der sich als nackter Nesthocker in geschichtetem Geäst einrichtete. Und drittens wäre da die Nutzung der Natur als künstlerisches Material, wie sie etwa die Land Art vorführt.

Auf den großdimensionierten Gestus verzichtet Christiane Löhr. „Das Übergewicht des Kleinen“ hat sie eine ihrer Ausstellungen genannt (1). Und tatsächlich setzt sie selbst dort, wo sie raumgreifend arbeitet, auf an Minimum an Mitteln. Im Mittelrhein-Museum Koblenz nahm die Künstlerin immerhin eine Länge von 25 Metern für ein „Objekt“ in Anspruch, das sie zwischen zwei Wänden horizontal verspannte. Als Rohstoff verwandte sie Pferdehaar. So auch jetzt im Forum Kunst Rottweil, wo Christiane Löhr eine vertikale Variante der „Haarreuse“ zwischen Decke und renovierungsbedürftigen Teppichboden spannte. Das Volumen, das dieser „Raum im Raum“ umfaßt, dürfte einer mittleren Turbine entsprechen, doch die plastische Gestalt, die sich darbietet,…

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