Ausstellungen: Wien · von Dieter Buchhart · S. 330
Ausstellungen: Wien , 2004

DIETER BUCHHART

Clegg & Guttmann

Sha’at’nez oder die verschobene Bibliothek

Sigmund Freud-Museum, Wien, 19.3. – 19.9.2004

Im unscheinbaren späthistoristischen Zinshaus Berggasse 19 in Wien hatte Sigmund Freud seine ärztliche Praxis und Wohnung. Im Juni 1938 floh der Begründer der Psychoanalyse mit seiner Tochter Anna vor den Nationalsozialisten und emigrierte nach London. Freud gelang es einen Teil seiner Bücher ins Exil mitzunehmen. Einige dieser Bücher gelangten nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zurück nach Wien und fanden Eingang in die Bibliothek des Wiener Sigmund Freud-Museums. Andere verblieben in der Sammlung des Freud-Museums in London, das heute am ehemaligen englischen Wohnsitz des Psychoanalytikers untergebracht ist. Die Bücher, die Freud in Wien zurücklassen musste, wurden an einen Antiquar verkauft, der diese an das Psychiatrische Institut in New York weiterverkaufte.

Der Geschichte der auseinandergerissenen Büchersammlung, die das Schicksal ihres Besitzers widerspiegelt, geht das Künstlerduo Michael Clegg & Martin Guttmann in ihrer Arbeit „Sha’at’nez oder die verschobene Bibliothek“ im Wiener Sigmund Freud-Museum nach. Dabei interessiert die Künstler das Thema der Verschiebung sowohl im Sinne des tatsächlichen physischen Ortswechsels der Bücher als auch im Sinne von Freuds psychoanalytischem Verschiebungsbegriff. Freud führte den Begriff 1900 in seinem Werk „Traumdeutung“ als eine Möglichkeit der Traumarbeit ein: „Wir konnten bemerken, dass die Elemente, welche im Trauminhalt sich als die wesentlichen Bestandteile hervordrängen, in den Traumgedanken keineswegs die gleiche Rolle spielen. Als Korrelat dazu kann man auch die Umkehrung dieses Satzes aussprechen. Was in den Traumgedanken offenbar der wesentliche Inhalt ist, braucht im Traum gar nicht vertreten sein. Der Traum ist gleichsam anders zentriert, sein Inhalt…

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