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Magazin: Publikationen · von Martin Pesch · S. 484 - 484
Magazin: Publikationen , 1997

Mark Dery:
Cyber – Die Kultur der Zukunft

Dieses Buch wurde mit Spannung erwartet, ist sein Autor, der in New York lebende Mark Dery, doch seit Jahren als kenntnisreicher Berichterstatter aus den Randgebieten der westlichen Kultur bekannt. Er hat sich durch seine Artikel in “Wired”, “Mondo 2000” oder “Village Voice” als Kritiker des Hypes um Cyberspace, Internet und Virtual Reality profiliert. Trotzdem ist das Buch eine Enttäuschung, denn es liefert nicht mehr als eine beflissene Dokumentation kultureller Phänomene, die in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren im Umfeld neuer Technologien entstanden sind, und die Dery unter dem Titel “Cyber” subsumiert.

Dieser Buchtitel allerdings ist eine Erfindung des deutschen Verlages. Die Originalausgabe heißt “Escape Velocity”. Das ist ein Terminus, der die Überwindung der Schwerkraft bezeichnet. Dery geht von der Prämisse aus, daß die Computer-Kultur dabei ist, sich von bisher gültigen Werten und physikalischen Grenzen zu lösen. Analog zu den fließenden Datenströmen geraten Grundfesten abendländischer Kultur in Fluß.

Mark Dery benutzt dieses dramatisierende Modell als Rechtfertigung, die bisherige Geschichte der Cyber-Kultur anhand einiger schon veröffentlichter Artikel darzustellen. Seine Haltung gegenüber den von ihm beschriebenen Phänomenen bleibt dabei durchgehend diffus, Kritik wird nur angedeutet, um sie im nächsten Satz durch einen ironischen Schlenker wieder zu brechen. Im ersten Kapitel, in dem er die Verbindung der Cyber-Kultur der 90er Jahre mit der Hippie-Ideologie der Sechziger untersucht, wird dies besonders deutlich. Gerade wenn er die Äußerungen der “Mondo 2000”-Herausgeber in der Schwebe beläßt und sie nicht auf den Boden dessen bringt, was sie inzwischen sind: verquaste Prahlerei. Ebenso…


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