Titel: Das Gequälte Quadrat , 1990

Markus Brüderlin

Das geflügelte Bild oder Malerei als Wiederholung

»Ich mache nichts anderes als das andere schon einmal gemacht haben.«
John Armleder 1

»Sie (die archeologische Analyse) ist nicht mehr und nicht weniger als eine erneute Schreibung; das heißt in der aufrecht erhaltenen Form der Äußerlichkeit eine regulierte Transformation dessen, was bereits geschrieben worden ist. Das ist nicht die Rückkehr zum Geheimnis des Ursprungs; es ist die systematische Beschreibung eines Diskurses als Objekt.«
Michel Foucault, Archeologie des Wissens2

Als John Armleder vor zwei Jahren dieses Bekenntnis in die Kanäle des Kunstfeuilletons aussetzte, glaubten schon viele Kunstauguren die endgültige Kapitulation der jungen Aneignungsstrategen und Kunstdandys verzeichnen zu können. Das Statement klang wie eine allgemeine Konzession einer durch ihre eigene Innovationsdynamik endogen erschöpften Moderne an die Macht der Tradition, die nun sukzessive das elitäre Novitätenkabinett der Avantgarde in einen offenen Antiquitätenladen der Postmoderne verwandelt. Sicherlich kann der schnelle Ausspruch des jungen Schweizer Abstrakten als symptomatischer Reflex auf den Reproduktionscharakter unserer Gegenwartskultur, den der Konsument heute als umgreifendes Déjà-vu-Erlebnis wahrnimmt, verstanden werden. Dieses Déjà-vu entpuppt sich als ein grundlegendes kulturelles Phänomen, das sich aber nicht auf die wechselseitig zwischen Produktion und Rezeption zugeschobene Phantasielosigkeit reduzieren läßt, sondern einen fundamentalen Umbau im Wertehaushalt unserer (westlichen) Zivilisation signalisiert. Das unter dem Begriff Iterativismus verbreitete Phänomen des Wiederholens von abstrakten Stilformen aus dem Fundus der klassischen Avantgarde korrespondiert mit einer grundsätzlichen Kritik an der rasanten Entfesselungsdynamik der Moderne. Deren lineare Beschleunigung gleicht mehr und mehr der Kreisbewegung einer Uhr ohne Zifferblatt und legitimiert sich allein aus der reinen Instandhaltung dieser Bewegung. Der…

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