Ausstellungen: Hamburg , 1990

Doris von Drathen

Einleuchten

Deichtorhallen, Hamburg, 11.11.1989-18.2.1990

Sie wissen ja, daß ich, als Sie mich um Teilnahme gefragt haben, zuerst meinte: nein. Habe mich dann doch im letzten Moment entschlossen, ein bißchen Dampf zu machen…, ein Dampfwölkchen zu machen. Da ich mich nicht für solche Ausstellungen interessiere, weil ich an einem plastischen Feld arbeite, da ich mehr die ganzen Lebenszusammenhänge, auch seelische, bearbeite…“

Das hatte Beuys 1984 in Basel gesagt, wo das „plastisch-thermische Urmeter“ zum ersten Mal zu sehen war. Wenn Harald Szeemann in seiner Ausstellung „Einleuchten“ in den neuen Deichtorhallen Beuys wieder dafür sorgen läßt, daß einer „Dampf macht“ und die damalige Antwort in seinem Katalog zitiert, bezeugt er damit, daß er den Mammutausstellungen dieses Jahrzehnts, das diese Schau beschließt, durchaus gebrochen gegenübersteht. Und er weist die applaudierenden Politiker mit elegant beiläufiger Geste darauf hin, wie gerade in Hamburg Beuys daran gehindert wurde, an seinem „plastischen Feld“ zu arbeiten, als der Senat sein letztes und größtes Projekt, die Aktion Bepflanzung der Spülfelder am Hafenrand, ablehnte.

Szeemann inszeniert eine beeindruckende Schau, weil er Brechungen, Zweifel, Rückzüge mit inszeniert.

Der freudige Kunsttourist wird empfangen von den akklamierenden Jahrmarktstafeln, die schreiend-bunt allen Künstlern zujubeln, mit einem lauten „I love Cy Twombly“, „I love Amadeo Modigliani“, I love Sherrie Levine“, „I love Malevitch“, „I love Annette Lemieux“… Die Begeisterung des geneigten Publikums für diese Installation von Cary Leibowitz wird zum schallenden Echo. Trotzdem würde man am liebsten die Tafel „I love Cary Leibowitz“ an die Kastanie heften, die nun plötzlich unter der sonderbaren Rednertribüne der Deichtorhallen emporgewachsen ist und…

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