Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1990

Christian Huther

Prospect Photographie

Frankfurter Kunstverein, 14.10.-26.11.1989

Im 150. Jahr ist das Selbstverständnis der Fotografie einmal mehr in der Krise. Die Frage nach der künstlerischen Legitimation hat sich zwar erledigt, aber die Fotografie ist heute kaum noch künstlerisches Ziel, sondern lediglich Mittel zum Zweck. Was die Fotografie ausmacht, ist das Fehlen jedweder Verbindlichkeit. Kaum jemand mag sich mehr festlegen lassen, was Fotografie zu leisten hat. Günther Förg etwa, einer aus der jüngeren Generation, der sich mit raffiniert ausgeleuchteten Architekturfotos einen Namen gemacht hat, sieht sich nicht als Fotograf, er benutzt dieses Medium, um Wirklichkeitserfahrungen zu vermitteln. Tatsächlich stellt sich die Frage nach der Wirklichkeit der fotografischen Bilder viel eher als in anderen Kunstgattungen, wird doch die Fotografie schnell verdächtigt, zu täuschen oder zu inszenieren.

Einen äußerst gelungenen Überblick über die internationalen Strömungen der achtziger Jahre bot der Frankfurter Kunstverein mit seinem Leiter Peter Weiermair. Weiermair, gleichermaßen ein ausgewiesener Kenner wie Liebhaber der Fotoszene, versammelte unter dem Titel „Prospect Photographie“ etwa 130 Arbeiten von 35 Fotografen. Anders als die zuletzt im Frühjahr stattgefundene Kunst-Triennale „Prospect“, die sich über den Kunstverein und die Schirn-Kunsthalle erstreckte, mußte sich Weiermair mit den schwierigen Räumen seines Kunstvereins bescheiden.

Natürlich war die Auswahl viel zu schmal, um Allgemeingültiges behaupten, gar ein schlüssiges Gesamtbild geben zu können. Aber Weiermair verzichtete auf einen – angesichts fehlender Grenzen sowieso nicht einlösbaren – Anspruch von Vollständigkeit, sammelte lieber in die Tiefe und stellte viele Fotokünstler mit ganzen Sequenzen vor. Darunter waren neben den Klassikern Richard Avedon, Robert Mapplethorpe, Duane Michals und John Baldessari auch viele…

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