Ausstellungen: Maastricht , 1990

Renate Puvogel

Robert Mangold

Erst im Zuge des neuerlich verstärkten Augenmerks auf konzeptuelle Überlegungen und reduzierte Bildfindungen läßt sich die tiefgreifende Bedeutung einiger amerikanischer Minimalisten und Konzeptualisten ausloten. Anfang der 60er Jahre erstarkte in Amerika als ein Akt der Selbstbefreiung und -behauptung gegenüber europäischen Kunsttraditionen das Bewußtsein, den Ballast außerbildlicher Referenzen abschütteln zu müssen und sich ganz auf inhärente Ordnungen des Kunstwerkes besinnen zu wollen. Die grundlegenden Untersuchungen, welche etwa Barnett Newman oder Frank Stella anstellten, wurden von Künstlern wie Sol LeWitt, Robert Barry, Donald Judd – um ganz unterschiedliche Positionen zu nennen – konsequent weiterverfolgt. Robert Mangolds Methode, mit den Bildkriterien Form, Oberfläche, Farbe und Linie zu experimentieren, kommt dem heutigen Kunstverständnis besonders entgegen, weil der Künstler diese Fragen nicht abstrakt theoretisch abhandelt, sondern sie in der sinnlichen Erscheinung der Bildtafeln erlebbar macht. Seine neuesten zweiteiligen Arbeiten zwingen förmlich zu dialektischem Sehen und Analysieren: Zwei unregelmäßige Rechtecke sind einander auf gemeinsamer Grundlinie zugeordnet; in den jüngsten Versuchen seit Herbst letzten Jahres berühren sich die beiden Flächen nur noch in einem Punkt; ein Spalt zwischen den beiden `shaped canvases` unterstreicht sowohl ihre Zusammengehörigkeit als auch ihre eigenständige dialogische Funktion und bildet die äußerste Konsequenz von Mangolds künstlerischer Strategie. Denn jede getroffene Setzung behauptet sich als das, als was es aufscheint, und drückt gleichzeitig dessen genaues Gegenteil aus, allerdings nicht in Form einer Negation, sondern eines Sowohl-als-Auch. Sämtliche Definitionen sind geichzeitig bestätigt und wieder aufgehoben. Eine solch faszinierende schwebende Balance kann nur aus einem halb rationalen Vorgehen, halb intuitiven Herantasten gewonnen werden, und…

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