Ausstellungen: München , 1990

Thilo Koenig

Das Foto als autonomes Bild. Experimentelle Gestaltung 1839-1989

DAS FOTO ALS AUTONOMES BILD. EXPERIMENTELLE GESTALTUNG 1839-1989

BAYRISCHE AKADEMIE DER SCHÖNEN KÜNSTE, MÜNCHEN, 15.12.1989 – 28.1.1990

Es ist kein leichtes Unterfangen, Rückschau auf 150 Jahre künstlerischer Gestaltung mit fotografischen Mitteln zu halten. Zu vielfältig waren die verschiedenen Ansätze, zu ambivalent ist vor allem das technische Medium selbst.

Die Bielefelder Kunsthalle wagte unter dem Titel „Das Foto als autonomes Bild, Experimentelle Gestaltung 1839-1989“ die einzige anspruchsvolle historische Ausstellung im Jubiläumsjahr zu diesem Thema. Doch schon in dem Begriffspaar „autonom – experimentell“ liegt ein Problem, das die ganze Geschichte der Fotografie durchzieht. Experimentiert haben sowohl Pioniere der Fototechnik als auch deren Anwender, wenn sie neue Darstellungsformen suchten. Mit Autonomie im Sinne einer zweckfreien Gestaltung hatte dies vorerst nichts zu tun. Ob etwa ein William Henry Fox Talbot seine „Photogenic Drawings“ und Negativabzüge um 1840 schon aus ästhetischen Gründen produzierte, bleibt, wie die Katalogautoren einräumen, fraglich.

Eine „produzierende Fotografie“ wird für Jutta Hülsewig-Johnen (in Anlehnung an eine Definition Gottfried Jägers) „zur bildkünstlerischen Technik, die ihre Ziele in sich hat, nicht mehr außer sich. Die Konzentration auf die Eigen-Art… setzt Vielfalt frei, weil Erscheinungsweise des Foto-Bildes von der Vorschrift ‚richtiger‘ Abbildungen nun frei ist. Es ist ein Emanzipationsvorgang, der Verwandtschaft aufweist zur umfassenden Tendenz zur gegenstandsungebundenen, autonomen Gestaltung“ (Katalog, S. 13). Also eine Ausstellung abstrakter Kompositionen mit fotografischen Mitteln? Abgesehen von dem Autonomiebegriff in der Kunst an sich (dessen kontroverse Diskussion nicht erst erwähnt wird) trifft eine solche Beschreibung auf keine Arbeit aus dem 19. Jahrhundert zu. Gegenstandslose Bilder…

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