Magazin: Symposien & Kongresse · S. 286
Magazin: Symposien & Kongresse , 1990

Thilo Koenig

Photography as a source of social history

EIN SYMPOSIUM IM INTERNATIONAAL INSTITUUT VOOR SOCIALE

GESCHIEDENS AMSTERDAM, 14./15.8.1989

Sozialhistoriker haben kein ästhetisches Interesse an Fotografien, sie stellen Fragen nach dem Dargestellten und seinem geschichtlichen Quellenwert. Daß sie hierbei nicht ohne weiteres von der Foto-Wirklichkeit auf vergangene Realität schließen können, sondern medienspezifische Aspekte berücksichtigen müssen, hat wohl auch dazu beigetragen, daß das Foto als Quelle bislang so wenig genutzt wurde – ist doch der festgehaltene Moment immer authentisch, seine Aussagekraft als Dokument dem Wiedergegebenen aber kaum unmittelbar zu entnehmen. Wenn Abbildungen nicht geschichtliche Illustrationen bleiben sollen, die doch nur scheinbar für sich sprechen, müssen weitreichende methodische Probleme gelöst werden.

Da dies nur in einem interdisziplinären Austausch gelingen kann, brachte das „Internationale Institut für Sozialgeschichte“ in Amsterdam (IISG) Kunsthistoriker, die gewohnt sind, mit visuellem Material und Darstellungstraditionen umzugehen, sowie Historiker und Volkskundler zusammen. Wenn man sich auch nicht direkt darauf bezog, wurde doch damit eine Diskussion fortgesetzt, die hierzulande schon mit den „3. Frankfurter Fotogesprächen“ (1984) und anläßlich der Ausstellung „Industriefotografie“ im Museum Folkwang (Essen 1987) begonnen hatte. Bot Essen ein sehr weitgefächertes internationales Spektrum, so setzte man in Amsterdam auf eine „Expertenrunde“ von gut vorbereiteten Vertretern unterschiedlicher Disziplinen aus den Niederlanden, Großbritannien und der Bundesrepublik – ein Konzept, das jedoch nicht unbedingt aufging.

Bei der jetzigen Tagung bestätigten sich wie zuvor in Essen ganz unterschiedliche Herangehensweisen: Kunsthistoriker konzentrieren sich auf Bilder als bewußt geschaffene visuelle Angebote, Historiker dagegen fragen eher nach Ereignissen und Inhalten. Auch mit Fotografien muß, wie bei schriftlichen Überlieferungen selbstverständlich, quellenkritisch gearbeitet werden….

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