Magazin · von Rainer Metzger · S. 413
Magazin , 2004

Die Beschämung der Philister

Wenn man wie unsereiner viel schreibt, dann schaut man bei einem neuen Buch gerne einmal zuerst auf die Literaturliste. Könnte ja sein, dass man vorkommt. Manchmal ist man dann enttäuscht. Bisweilen aber ergibt es sich auch, über ein Verschwiegenwerden froh zu sein. Hier nun ist so ein Fall, denn Christian Demands bei Rudolf Burger an der Wiener Universität für angewandte Kunst veranschlagte Habilitationsschrift „Die Beschämung der Philister“ ist zuallererst eine Stilblütenlese. Vielerlei aus jenem Jargon der Eitel- und Eigentlichkeiten wird dabei gepflückt, in dem über Kunst geraunt wird. Dieses Vielerlei ist auch ein Einerlei, weiß Demand, denn es läuft stets auf den gleichen Zweck hinaus: den Lesern einen Schrecken einzujagen und sie in die Fasson bedingungsloser Begeisterung zu bringen, indem man ihnen mit der Keule des Philister-, Ignoranz- oder Faschismusvorwurfs kommt.

Demand ist von Haus aus Philosoph, und er arbeitet als freier Journalist. So hat er gleich alle Kompetenz, dass ihm die versammelte Lektüre sowohl theoretisch als auch praktisch auf die Nerven geht. Wer den Anfang seines Buches absolviert, darf sich gleich durch einen Teigberg an Lobhubedeleien durcharbeiten, zäh und zähflüssig, die typischen Aussonderungen eines Metiers, das bevorzugt meint, die Besonderheit der Objekte reiche aus, auch den Text, der sich mit ihnen beschäftigt, mit Besonderheit auszustatten. Ein wenig schüttet Demand dabei das Kind mit dem Bade aus: Er geht so weit, im Ganzen rekonstruieren zu wollen, „wie“ so der Untertitel, „die Kunst sich der Kritik entledigte“. So, als gäbe es nur Blödsinn, und dieser Blödsinn habe die eine…

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