Ausstellungen: Berlin · von Ingo Arend · S. 298
Ausstellungen: Berlin , 2004

INGO AREND

Die Entfaltung des Begehrens

Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition

Deutsche Guggenheim, Berlin, 24. Juli bis 17. Oktober 2004

Auf einer Fotografie aus dem Jahr 1987 hat Robert Mapplethorpe eine Statue des Antinous abgebildet. Auf dem Gelatinesilberdruck steht die antike Figur des bithynischen Sklaven und Geliebten Kaiser Hadrians, Sinnbild und Synonym für vollendete männliche Schönheit, vor einer riesigen Stoffbahn mit einem orientalisierenden Muster. Der hängende Stoff nimmt den ruhigen Fluss der Körperbewegung des Jünglings auf, bricht ihn aber auch dadurch, dass der Fotograf der Knabenfigur eine Falte des Stoffes in die linke Hand gegeben hat. In den beiden Gegenständen findet man gleich zwei Stränge des Werkes des 1989 verstorbenen Robert Mapplethorpe versinnbildlicht: die Orientierung an einer klassischen Schönheit und ein ausgeprägt formalistisches Interesse. Kein Zweifel: Robert Mapplethorpe kannte die Antike und ihr Formenvokabular. Kein under also, dass man in seinem Werk überall vielfältige Parallelen dazu findet.

Neu ist die Fragestellung, die der deutsche Ableger des New Yorker Guggenheim-Museums in seiner jüngsten Schau mit dem Titel Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition vorstellt, also nicht. Schon 1992 hatte der amerikanische Kunstkritiker Arthur C. Danto in seinem großen Essay über die Kunst Mapplethorpes auf die formale Schönheit und den strengen Klassizismus des Künstlers hingewiesen und festgestellt, Mapplethorpes Kunst sei eine „formale Übung in klassischen Formen“. Neu bei der Berliner Schau ist eher der Vergleichsmaßstab. Denn nicht die Antike gibt den Referenzrahmen ab, sondern die manieristische Druckgrafik.

Sieht man einmal davon, dass der Vergleich problematisch ist, weil bei Mapplethorpe ein integrales Verhältnis Maler-Modell das Werk auszeichnete, wo…

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