Monografie · von Annelie Pohlen · S. 242
Monografie , 2004

ANNELIE POHLEN

SCHNEIDER & SOHN
ODER MÖGLICHKEITSFORMEN IN DER WIRKLICHKEIT

ZUM WERK VON ERAN SCHAERF

Versuchen wir den Einstieg in die Geschichte eines Werkes zwischen Erzählung und Spiel auf der Bühne der Abbilder und des Vorscheins von Wirklichkeiten. Partizipieren wir als Zuschauer und Akteure am konstanten Szenen- und Rollenwechsel bei der Wiederaufnahme einer ständig unterbrochenen Erzählung über Gemeinschaften auf der Suche nach einer definierbaren Existenz zwischen Migration, Fremdheit, Globalisierung und Verstreuung.

Re-enactment, Wiederaufführung lautet der Titel einer Werkgruppe aus den 90er Jahren. Die Vorstellung von Wirklichkeit als Wiederaufführung zieht sich nicht erst seit dieser Zeit wie ein roter Faden durch das Werk von Eran Schaerf.

1996 taucht der Titel erstmals anlässlich einer Ausstellung im Goethe House in New York auf. Aus dem gegenwärtigen Rückblick markiert der Auftritt so etwas wie die Halbzeit im bislang überschaubaren kreativen Prozess. Der willkürliche Zeitschnitt mag auf den ersten Blick absonderlich erscheinen. Angesichts der von Beginn an irritierend verschlungenen, von Rückgriffen, Verweisen, Spiegelungen und Verzweigungen geprägten künstlerischen Strategie, vor allem aber auch angesichts vielfältig vernetzter Werkgruppen, die über Titel abgeschlossene Einheiten suggerieren, was sie tatsächlich nicht sind, gewinnt die Zeitschiene Bedeutung.

1985 kommt Eran Schaerf, 1962 in Israel geboren, nach Berlin. Ein Studium der Architektur, Stadtplanung und Fotografie verbindet nicht nur die alte mit der neuen Heimat, sondern erweist sich als Fundus für ein Medien und Gattungen übergreifendes Werk, das sich bis heute gegen theoretische, ja selbst prosaische oder intuitive Vereinnahmung sperrt. Beim Versuch, den Weg deutend nachzuzeichnen, bietet die Vorstellung von Halbzeit den Vorteil, Spuren, welche Eran Schaerf selbst…

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