Ausstellungen: Berlin · von Ronald Berg · S. 300
Ausstellungen: Berlin , 2004

RONALD BERG

Natur als Vision

Meisterwerke der englischen Präraffaeliten

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin, 11.6. – 5.9.2004

Rückwärtsgewandt, kitschig und ornamental, die Charakterisierungen der Präraffaeliten waren im Allgemeinen bisher wenig schmeichelhaft. Auf dem Weg in die Moderne galten ihre schmachtenden Frauengestalten oder die biblischen und ritterlichen Anekdoten eher als eine Art von englischem Spleen. Die Berliner Ausstellung zeigt jetzt ein ganz anderes Bild. Das gelingt allerdings nur auf Kosten der Verengung auf das Thema Naturschilderung, wie sie die Thema Maler im Umkreis der 1848 gegründeten „Pre-Raphaelite Brotherhood“ auch pflegten. Dazu bietet die Ausstellung all die großen Namen der Gruppe auf: John Everett Millais, William Holman Hunt, Dante Gabriel Rossetti und Ford Madox Brown.

In Berlin wählt man als Kronzeugen für die bisher unterschätzte Modernität der Präraffaeliten Theodor Fontane. Fontane war nicht nur einer der ganz wenigen vom Kontinent, der die Bilder der Präraffaeliten auf der Art Treasures Exhibition 1857 in Manchester mit eigenen Augen sah, sein Urteil war überdies sehr wohlwollend: „Hier haben wir Keime für die Zukunft und, nach bestandenen Läuterungsprozess, vielleicht einen neuen Silberblick der Kunst“. Fontanes Aussage überschreibt den Beginn der Ausstellung im Alten Museum, die mit 150 Gemälden, Zeichnungen und Fotografien einen opulenten Überblick zum Thema „Natur als Vision“ bietet. Die Portraits oder anekdotischen Bilderfindungen fehlen dagegen fast völlig. Ausnahme: John Everett Millais‘ „Ophelia“, Ikone des Präraffaelismus und wohl die schönste Wasserleiche der Kunstgeschichte. Die wie in erotischer Hingabe im Wasser treibende Frau ist im Berliner Kontext eigentlich Nebensache. Und in der Tat verwandte Millais an den Ufers des Hogsmill…

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