Titel: I love New York , 1998

AKI FUJIYOSHI:

»Die Fiktion des Realen«

Was bedeutet dir New York?

Dort seit meiner Geburt lebend, habe ich sowohl die Bilder, die sich andere Amerikaner und Ausländer von dieser Stadt gemacht haben mitbekommen, als auch, wie sich die Dinge dort veränderten. Diese Stadt ist international, und es war für mich stets überraschend, daß, wenn es um diese geht, ja selbst in den Nachrichten, nur über bestimmte, meistens deren sensationelle Seiten berichtet wird. In der Regel stehen die negativen Dinge, die in New York geschehen, im Mittelpunkt der Berichterstattung. Darauf wird mehr Zeit als auf kulturelle Veranstaltungen verwandt. Dabei befinden wir uns zwischen den beiden Extremen, nämlich zwischen dem Guten und dem Miesen. Seltsamerweise glauben sogar die New Yorker, zumindestens teilweise, an den Mythos. In einer Arbeit wie der Detective-Serie nutze ich dieses allgemein anerkannte, letzlich unterstellte Wissen als Material und Teil allgemeiner Perzeption, wie es sich auch im Film widerspiegelt. In den letzten fünf Jahren ist die Linie zwischen dem Realen und Fiktiven, d.h. die Unterschiede zwischen dem, was als Realität bezeichnet wird, und unserer Vorstellung davon, wie im Fernsehen verbreitet, stark verwischt worden. Die Medien lassen es gar nicht mehr zu, daß man Fakt und Fiktion klar auseinanderhält. Da gibt es Sendungen und Shows voller Halbheiten. Es werden Informationen geliefert und dabei andere Dinge so vernebelt, daß sich gar nicht erkennen läßt, was dahinter steckt. Man sieht die Gesichter der Leute nicht.

Kennst du Baudrillards Simulationstheorie?

Ja, sie ist Teil meines Werks, aber keineswegs etwas, dem ich mich ganz anschließe, denn was simuliert ist…

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von Heinz-Norbert Jocks

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