Ausstellungen: Recklinghausen , 2007

Claudia Posca

Die Sprache verschlagen.

Die Bildgewalt des Blalla W. Hallmann

»Vater, Vater, warum haßt Du mich verlassen!«

Kunsthalle Recklinghausen, 5.08.07 – 23.09.07

Blalla W. Hallmann hat sich ins Gedächtnis gefräst: Auch 10 Jahre nach seinem frühen Tod 1997 im Alter von 56 Jahren spaltet seine schier grenzenlose Imaginationswut rund um dämonische Todesmühlen und sehnsüchtige Seelenparadiese die Kunstwelt. Nicht jedem liegt der Blick in jede Körperöffnung, in jede Wunde. Auch dass Hitler einen Heiligenschein trägt, Mickey Mouse am Kreuz hängt, der Papst onaniert und die „Erde eine dreckige Schaumgummimatratze“ ist, ist schwere Kost. „Blalla selbst hat gesagt“, erzählt es Freundin, Nachlassverwalterin und Privatmuseumschefin des Blallas Gute-Kunst-Museum Eva Zeltner, „dass wenn er ausstellt, der Museumsdirektor seinen Posten räumen oder die Galerie dicht machen muss oder sonstigen Repressalien ausgesetzt wird.“

Nicht ganz so dramatisch allerdings wie einst in der Ostdeutschen Galerie Regensburg 1996, wo der damalige Museumsdirektor nach Ausstellungsende fristlos gekündigt und gegen den Künstler wegen „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen“ ermittelt wurde, verlief die von der Kunsthalle Recklinghausen initiierte Schau: „Die Sprache verschlagen. Die Bildgewalt des Blalla W. Hallmann“.

Doch mindestens irritieren, wenn nicht gar verstören und provozieren – das tat auch die Recklinghäuser Präsentation in hohem Maße; nichts für schwache Nerven, aber ein Highlight in Sachen explosiver Kunst. Wer, neben Blalla, zelebriert schon einen solchen souveränen Umgang mit der Kunstgeschichte, in drastischen Bildern, die sich eindringlicher nicht ins Gedächtnis brennen könnten, was wiederum brisante Kapriolen für Auge und Hirn bedeutet. Bosch, Ensor, Goya, Grosz, Rousseau, Runge, naive und primitive Kunst – wie dieser…

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von Claudia Posca

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