Essay · von Amine Haase · S. 192
Essay ,

Eine Zeitlinie zurück in die Zukunft

Von der Urgeschichte bis heute: Das Rätsel der Kreativität beschäftigt die Kunsthistoriker immer wieder

von Amine Haase

Wie kaum je zuvor verdichten sich die Anzeichen dafür, dass der Mensch dabei ist, sich selbst abzuschaffen. Forscher und Wissenschaftler machen schon lange auf selbstmörderische Tendenzen aufmerksam. Jetzt ist das Thema in aller (Politiker-) Munde. Und auf der Straße werden die Klima-Demonstrationen an den „Fridays for Future“ immer lauter. Auch die Künste wollen nicht mehr (nur) „schön“ sein, sondern die Finger in die Wunden legen, neue Modelle entwickeln. Tomàs Saraceno schickt den homo sapiens in eine Zukunft, in der er den Planeten brüderlich mit allen anderen Lebewesen teilt. Als „homo flotantis“ soll er das Schweben erlernen, um das „Aeorozän“ zu eröffnen. Michel Houellebecq beschreibt das Hier und Heute so: „Nous habitons l’absence“ (Wir bewohnen die Abwesenheit). Auf die Behauptung „Sie haben keine Chance“ erwidert der als Zyniker verschriene Schriftsteller: „Machen Sie weiter.“

Der Mensch vergeht im Anthropozän, frei nach Max Frischs „Der Mensch erscheint im Holozän“. Der Titel des 1979 erschienen Buchs des Schweizer Autors verweist auf einen künftigen Menschen, der allerdings in der Erzählung (noch) nicht auftaucht. Dass der Mensch im Holozän erscheint, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht falsch. Frischs Protagonist hat Angst vor Gedächtnisverlust. Und während eines Unwetters steigert er sich in eine geradezu apokalyptische Katastrophe. Die versucht er mit einer Art Weltdeutung zu überwinden: Seine Wohnung verwandelt sich in einen chaotischen Zettelkasten, mit dem er das Wissen der Menschheit zu speichern glaubt.

Der Mensch vergeht im Anthropozän

Der Mensch kann sich…

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