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Ausstellungen: Bremen · von Hajo Schiff · S. 243 - 245
Ausstellungen: Bremen ,

Bremen
Ikonen

Was wir Menschen anbeten
Kunsthalle Bremen 19.10.2019 – 01.03.2020

von Hajo Schiff

Ein Ikonenmuseum ist die Kunsthalle Bremen nicht. Trotzdem wird dort mit großem Aufwand für eine mehr als 800 Jahre umspannende Ikonenschau geworben, mitsamt gleich vier Mona Lisas. Seit zehn Jahren träumt der Direktor Christoph Grunenberg davon, sein Haus komplett leerzuräumen und in jedem der 60 Räume nur eine Arbeit zu zeigen, die – warum auch immer – als „ikonisch“ gilt.

Die weltweit zusammengeliehene Auswahl beginnt zentral mit einem goldgrundigen Christusbild, dem Mandylion, hier in einer russischen Fassung des 16. Jahrhunderts. Es ist eine stets rituell tradierte Kopie eines acheiropoietons , eines gemäß des Glaubens nicht von Menschenhand gemachten Bildes, das unmittelbar durch göttliche Einwirkung entstand und so Anteil an der Sphäre des Spirituellen hat. Denn während im Westen seit der Renaissance ein Bildfenster die Betrachter perspektivisch in die Tiefe des imaginierten Raumes führt, ist eine ostkirchliche Ikone wie eine Rückprojektionsfolie, auf der sich das direkt dahinter befindliche göttliche Mysterium manifestiert. Diese Differenz von Bedeutung und Sein unterscheidet das Bild des Heiligen von einem heiligen Bild. Sind über solche Differenzen seit Jahrtausenden Dispute geführt worden, im „Byzantinischen Bilderstreit“ im 8. und 9. Jahrhundert sogar mit Waffengewalt, so sind dergleichen Feinheiten in der heutigen Verwendung des Wortes Ikone längst verschliffen. Die Ikonodulen haben in ganzer Linie über die Ikonoklasten gesiegt, auch wenn letztere im extremen Protestantismus noch einmal starke Fürsprecher hatten – auch ein hauptsächlich nur aus Bibeltextzitaten bestehender Schrift-Altar ist in der Ausstellung.

Aber ein theoretischer Disput rund um die Ikone wäre…

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