Biennalen: art open · von Andreas Denk · S. 471
Biennalen: art open , 1999

Andreas Denk

Ende einer Ausstellung

Die »art open« in Essen schloss nachsechs Tagen ihre Pforten

Eine „Weltkunstausstellung, die alle Grenzen sprengt“, wollte der Essener Künstler und Erfinder Dieter Walter Liedtke (55) im Juli dieses Jahres eröffnen. Das Unternehmen endete frühzeitig: Schon nach sechs Tagen schloss die Messe Essen als Hausherr die Ausstellung.

Für das ambitionierte Vorhaben, „die Entwicklung in der Bildenden Kunst von der Steinzeit bis zur Gegenwart“ vorzuführen, hatte Liedtke einige finanzkräftige, ungenannt bleiben wollende Sponsoren, das absurde Gespann von Königin Sophia von Spanien, Michail Gorbatschow und Norbert Blüm als Schirmherrschaft sowie „Berater“ wie Karl Ruhrberg und Harald Szeemann gefunden. Mit der Messegesellschaft seiner Heimatstadt vereinbarte er eine einmonatige Nutzung von fünf Messehallen mit insgesamt 25.000 Quadratmetern Fläche, in denen er mit Hilfe von etwa 1000 Werken seine Vision eines „Mega-Events“ realisieren wollte. Jenseits des Museums, das Liedtke, der Patente auf eine Haarschneidemaschine und luftgefederte Schuhsohlen sowie ein eigenes Museum auf Mallorca hat, als ungeeignet für die Kunstvermittlung empfindet, sollten sich, so seine Erwartungen, in den Messehallen rund um die Uhr und bei freiem Eintritt insgesamt 500.000 Menschen in der Ausstellung einfinden, „die jedem Menschen das Verstehen von Kunst ermöglichen sollte, um das eigene Kreativitätspotential zu steigern“. Als Leihgeber des Anti-Museums-Projekts traten verblüffenderweise namhafte Institute wie das KunstMuseum Bonn, das Von der Heydt-Museum Wuppertal, die Kunstsammlungen Weimar und das Russische Museum in Sankt Petersburg auf.

Das Ergebnis der Kunst-Anthologie vom Paläolithikum bis zu Beuys war enttäuschend: Nicht nur für professionelle Beobachter löste sich Philanthrop Liedtkes Motto „Leben + Bewusstseinserweiterung = Kunst“ nur unzulänglich ein….

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