Ausstellungen: Bonn · von Christiane Fricke · S. 334
Ausstellungen: Bonn , 2003

CHRISTIANE FRICKE

Eran Schaerf

„some time later“

Neuer Berliner Kunstverein, 31.8. – 13.10.2002
Bonner Kunstverein, 27.11.2002 – 26.1.2003

Es hat noch nichts von Musealität“, meint Annelie Pohlen, Geschäftsführerin des Bonner Kunstvereins, über das Werk des gebürtigen Israelis Eran Schaerf. Den Künstler, immerhin Jahrgang 1962 und documenta-Teilnehmer 1992, kann das nicht schocken, denn er weiß nur zu gut, dass es der Tod seiner ganze Hallen bespielenden, sich fortschreitend immer weiter entwickelnden „Projekträume“ wäre, wenn er ihnen eine abschließende, endgültige Form geben würde.

Selber ein Migrant – mit Wohnsitzen in Berlin und Brüssel, seit er Israel verließ – begreift sich Schaerf eher als Nomade denn als national Verwurzelter. Beheimatet in den Erzählungen, Erinnerungen, im Gedächtnis verschiedener kultureller Kontexte und damit letztlich unbehaust. Auszuhalten ist eine so geartete Existenz nur mit intellektuellem Abstand, aus der Perspektive des Beobachters und des Kreativen, der die Teile – Zeichensysteme aus den kulturellen Traditionen und der medialen Bilderwelt – zu einem künstlerischen „Werk-Ganzen“ verknüpft.

Es sind nicht in erster Linie kunstmarkttaugliche „Waren“, die am Ende dabei herauskommen, sondern modellhafte, sehr komplex strukturierte Erfahrungsräume für ein Publikum, das bereit ist, flüchtiges, fragmentarisches Bild- und Ton-Material mit eigenen Imaginationen, Erinnerungen und Erfahrungen, mit der eigenen Rolle zu mischen. Schaerf sucht denn auch eher Aufführungsorte als Aufbewahrungsstätten, begreift sich in erster Linie als Choreograf denn als Objektemacher oder Bilderproduzent.

Was an „Verwertbarem“ abfällt, kommt im Gewand jener Medien daher, die Schaerf für seine medialen Raum-Montagen auf ihre Codes abfragt, um sie – nach einer Formulierung von Annelie Pohlen – „latent verschoben in Kunst zu übersetzen“: Schallplattencover, Postkarten,…

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