Ausstellungen: Berlin · von Ingo Arend · S. 282
Ausstellungen: Berlin , 2003

INGO AREND

Marc Brandenburg

Ostgut-Galerie, Berlin-Friedrichshain, 16.11. – 31.12.2002

Im Darkroom sind alle Gesichter weiß. Jedenfalls so lange genug Schwarzlicht scheint. Ganz ohne Logik ist es nicht, dass Marc Brandenburgs Bilder für ein paar Wochen in die Berliner Ostgut-Galerie gewandert sind, einer Ausstellungsfläche in Berlins größtem Sex-, Techno- und House-Komplex. Jedes Wochenende zieht es Hunderte in die alte Fabrik eines aufgelassenen Industriekomplexes neben dem Berliner Ostbahnhof, unweit der East-Side Gallery an der Spree. Die Bilder des 1965 in Berlin geborenen Künstlers, der in Texas aufwuchs, Sohn eines farbigen amerikanischen GI und einer Deutschen, sind „Schnappschüsse“ der besonderen Art. Die realistisch-dokumentarischen Bilder wirken wie Fotografien. Doch es sind Schwarzweiß-Zeichnungen. Manchmal sehen sie wie Negative aus. Ein weißer Freund Brandenburgs taucht darin plötzlich als Schwarzer auf. Mit diesem Kunstgriff spielt der Deutsche afroamerikanischer Herkunft mit den künstlichen Stereotypen von Rasse und Geschlecht. Sie sind aber auch eine Umkehrung der Bildwirkung. Marc Brandenburgs Bilder leuchten so plötzlich aus dem Dunkeln, wie von innen.

Der Zeichner bezog seine kreativen Energien, wie er in der Rückschau selbst einmal sagte, zunächst aus dem Punk. Berlin war bei seiner Rückkehr aus den USA Ende der siebziger Jahre nach Berlin seine unerklärte Hauptstadt. Trotzdem signalisieren Brandenburgs zeichnerische Motive aus der Jugend, Szene-, Fan- und Sexkultur eher die Nähe zum Pop. Brandenburg vermischt Reales und Fiktives, Original und Vorlage. Mal zeichnet er seine nächste Umgebung. Etwa wenn er sich selbst mit herausgestreckter Zunge oder einen Kollegen aus dem Kumpelnest 3000, einer legendären Berliner Boheme-Kneipe, zeichnet. Mal orientiert er sich an Bildern aus Magazinen….

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