Ausstellungen: Berlin · von Thomas Wulffen · S. 288
Ausstellungen: Berlin , 2003

THOMAS WULFFEN

David Lamelas

Kienzle & Gmeiner, Berlin, 8.11.2002 – 8.2.2003

David Lamelas gehört zu den Pionieren, die schon frühzeitig das Medium Film in ihrem künstlerischen Werk eingesetzt haben. Wo andere noch dezidiert die Leinwand mit dem Pinsel traktierten, entdeckte er eine andere Leinwand als Projektionsfläche, um auf ihnen seine Filme zu zeigen. Angesichts der neuen Arbeiten ist es Anlass genug daran zu erinnern, denn die Avantgarde wird schließlich beim alltäglichen Fortschritt allzu schnell aus den Augen verloren. Was uns heute als zeitgenössische Kunst im Medium Film begegnet, kommt in den Produktionskosten minderen Hollywood-Produkten nahe oder überragt sie sogar wie zum Beispiel das letzte Filmwerk von Shirin Neshat auf der Documenta11. Derartige ökonomische Bedingungen aber werden weitgehend außer Acht gelassen, wenn Film im Kontext der Bildenden Kunst zu sehen ist.

Das gilt auch für die zwei neuen Produktionen von David Lamelas, zwei fünfzehn Minuten lange Filmstücke, professionell gefilmt, produziert und musikalisch unterlegt. Beide Werke sind 2002 entstanden. Der Plot ist einfach, am Ende gibt’s einen Mord. Aber die Rollenverteilung wird auf den Kopf gestellt und verunklart: Das Opfer ist diesmal der Mann. Und dennoch vergegenwärtigt der Betrachter seinen Hitchcock wieder in diesen Bildern und damit rennt man in die Falle, die man sich selbst gestellt hat. Aber das liegt dann auch in den Bildern, die einem in den Filmen von David Lamelas angeboten werden. Zwar wird in ,The edge of nightmare‘ zwischen Farbe und Schwarzweiß gewechselt oder mit Slow-Motion gearbeitet. Aber kennen wir derartige Eingriffe nicht schon aus avancierteren Independent-Filmen? So bezieht sich das…

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