Ausstellungen: New York , 1999

Ute Thon

»Fame After Photography«

Museum of Modern Art, New York, 8.7. – 5.10.1999

Spätestens 1997, als Lady Di, die meistfotografierteste Frau der Welt, von Paparazzi gejagt in ihren Tod raste, bekam das Konzept vom gehuldigten Medienstar einen Riss. Für einen Moment stand die Prominenten-Maschine still. Die hungrige Medienmeute und die nicht weniger hungrigen Bilderkonsumenten reflektierten über ihren fatalen Einfluss und erzeugten dadurch nur wieder neues Bilderfutter, diesmal von beschämten Journalisten, mahnenden Medienwissenschaftlern und trauernden Angehörigen. Auf der Anklagebank stand diesmal die Fotografie, das Medium, das seit seiner Erfindung vor 160 Jahren die Grenzen zwischen privat und öffentlich, von Obskurität und Berühmtheit verändert hat wie keine andere künstlerische Technik zuvor.

„Fame After Photography“, eine Ausstellung mit rund 600 Daguerreotypien, Fotografien, Werbeanzeigen, Magazintiteln und Filmclips im New Yorker Museum of Modern Art von Gastkuratoren Marvin Heiferman und Carole Kismaric, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Zusammenhang zwischen Fotokunst und Starruhm aufzuschlüsseln. Die zugrunde liegende These, dass sich mit dem Aufkommen der Fotografie und der massenhaften Reproduzierbarkeit eines Porträts die Faktoren fürs Berühmtsein grundlegend änderten, ist nicht gerade neu. In der präfotografischen Ära vor 1839 war es die Angelegenheit der Reichen und Mächtigen, ihr Antlitz in Stein meißeln oder in Öl auf Leinwand malen zu lassen. Mit Ausnahme der gelegentlichen schönen Unbekannten als Malermodel war veröffentlichte künstlerische Darstellung gleichbedeutend mit Macht, Einfluss und Ruhm. Berühmt war und blieb, wer es sich leisten konnte, eine Statue von sich aufstellen zu lassen oder seinen Kopf auf Münzen zu drucken. Das änderte sich mit der Erfindung der Fotografie….

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