Magazin , 1999

Geschichten aus der Reproduktion

„Martha Rosler – Positionen in der Lebenswelt“

„In dieser Ausstellung wird ein Ouvre zugänglich gemacht“, schreibt die Herausgeberin Sabine Breitwieser im 400 Seiten starken Begleitband ,Martha Rosler – Positionen in der Lebenswelt‘. Darauf konnten sich auch alle einigen, dass die Retrospektive in der von Breitwieser geführten Generali Foundation Wien vielerlei Entdeckungen bot.

Ohne Handschrift, die sich „wie ein Fingerabdruck auf jeder einzelnen Arbeit wiederfindet“, tauchte Roslers schwer fixierbares ,Ouevre‘ lange Jahre unter dem Radar des Kunstmarktes ab. Ihre Arbeiten reichen von der Foto/Montage und Textarbeiten/Postkarten bis zu Video/Performances – etwa einem nachgestellten ,Monumental Garage Sale‘ 1973) als „anti-expressionistische Performance“ vor der observierenden Kamera bis hin zu dezidierte Fernseh-Arbeiten mit dem Videokollektiv Paper Tiger TV – oder raumgreifenden Installationen/Projekten. Was Alexander Alberros psychologisierend als „Roslers ausgeprägte Selbstmarginalisierung“ beschreibt, war eine Entscheidung für feministische Zusammenhänge, künstlerische Kollektive, politische Gruppen und der Affinität zu einem ausgeprägten System von ,Alternative Spaces‘. Die Definition der Kunst in den späten 60er Jahren lag da in den Händen der MacherInnen und weniger beim Vertriebsbetrieb.

Solche solidarischen Strukturen sind nicht nur in New York zusammengebrochen, zumindest was Roslers Generation anbelangt. Nun betreut ein von der Generali-Versicherung finanzierter Kunstverein die umfassende Retrospektive. Schon Martha Roslers Wechsel zu einer marktnahen Galerie Anfang der 90er Jahre hat eine größere Sichtbarkeit und diskursive Präsenz ihrer Arbeiten zur Folge gehabt und zugleich die Re-Produktion alter Werkkomplexe, deren Archivierung sowie das Einschreiben in die Kunstgeschichte forciert. Hierfür steht nicht zuletzt die Ausstellungstour von Birmingham und Lyon über Wien nach Barcelona und New York.

Das Terrain…

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von Jochen Becker

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