Ausstellungen: Wilhelmshaven , 2006

Rainer Unruh

Gott sehen

»Risiko und Chancen religiöser Bilder«

Kunsthalle Wilhelmshaven, 3.12.2005 – 12.2.2006

Skeptisch schaut Ole zur Seite, als könne er kaum glauben, was hinter seinem Rücken angerichtet wurde. Dem Besucher der Ausstellung „Gott sehen“ in Wilhelmshaven geht es kaum anders als der kleinen Figur eines nackten Jünglings von Rainer Fetting, die im Foyer der Kunsthalle auf einem Sockel steht. Den Auftakt der Schau macht nämlich ein Seestück des Hamburger Marinemalers Hugo Schnars-Alquist. „Per crucem ad lucem“ (1925/26) zeigt ein weißes Lichtkreuz am Himmel, das sich über einem naturalistisch dargestellten grün-blauen Meer erhebt. Kein Schiff, keine Küste, nur die endlose Weite der See. Dem Künstler, der das Werk als Auftragsarbeit zum Gedenken an den zehnten Jahrestag der Schlacht von Skagerrak schuf, sind die 8500 Toten, die Schreie der Ertrinkenden und das Blut der Verletzten keinen Pinselstrich wert. Statt dessen schlägt er den Bogen vom Gemetzel des Ersten Weltkriegs zum christlichen Kaiser Konstantin dem Großen, dem angeblich vor einer Entscheidungsschlacht im Jahr 312 ein Kreuz am Firmament erschienen war, dem die Bedeutung beigemessen wurde: „In diesem Zeichen wirst Du siegen.“

„Per crucem ad lucem“ hängt normalerweise in der Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven. Daniel Spanke, Leiter der Kunsthalle Wilhelmshaven, hat es für die Dauer der Ausstellung in sein Haus geholt und der Kirche dafür ein Schüttbild von Hermann Nitsch aus dem Jahr 1961 geliehen. Nun schauen die Gläubigen nicht länger auf ein strahlend weißes und reines Lichtkreuz, sondern auf eine Farborgie in Rot und Schwarz, die aussieht, als sei das Blut eines Menschen direkt…

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