Monografie , 2006

Susanne Boecker

Plasticien pluridisciplinaire

Die fotografischen Raum-Bilder des Georges Rousse

„Mon intention était de construire, de faire une sculpture virtuelle qui se trouverait ,au-delà du miroir‘. Je travaille en quelque sorte sur l’invisibilité.“

Georges Rousse, 1988

Die Fotografien von Georges Rousse machen staunen. Man möchte fast zweifeln, ob es diese traumhaften Räume mit ihren farbigen Wänden, geometrischen Malereien und komplexen skulpturalen Formationen überhaupt je gegeben hat? Oder ob das, was uns diese Bilder zeigen, nicht doch die „pure Malerei“ eines genialen Leinwandkünstlers ist, der mit Farbe illusionistische Wunderwerke schafft? Auch wenn es paradox klingen mag, so lautet die Antwort in beiden Fällen „ja“. Denn es hat diese Räume wirklich gegeben. Und die Malerei in diesen Räumen ist Malerei, die Zeichnung ist Zeichnung und die Skulptur ist Skulptur. Zusammen bilden sie eine einzigartige Synthese, bestimmt allein für das Auge der Kamera. Und so sind die Werke von Georges Rousse eben alles zugleich: Malerei, Skulptur und – in erster und letzter Instanz – Fotografie.

An erster Stelle steht immer die real existierende Architektur: Räume in verlassenen, zum Abriss bestimmten oder kurz vor der kompletten Sanierung stehenden Gebäuden. Der Maler nutzt sie zunächst als Atelier und Leinwand zugleich und bemalt Wände, Decken, Treppen, Fußböden sowie vorhandene Einbauten mit kraftvollen, vitalen Figuren im Stil der „Figuration libre“ (Entrepôt Vichy, 1982). Doch das zweidimensionale Verhältnis von Figur und Grund wird bald aufgebrochen und um die dritte Dimension erweitert. Ein Schlüsselwerk dieser Entwicklung ist sicher die dynamische Figur, die Rousse 1983 in La Roche-sur-Yon nicht mehr malte, sondern einfach in die…

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von Susanne Boecker

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