Titel: Zur Aktualität des Idyllischen · von Sven Drühl · S. 94
Titel: Zur Aktualität des Idyllischen , 2006

Sven Drühl

Gebrochene Idyllen

Ein Gespräch mit dem in Berlin lebenden Künstler Markus Draper

Sven Drühl: Wenn man Deine Arbeiten seit 1996 betrachtet, fällt auf, dass sich eine Thematik wie ein roter Faden durch beinahe alle Werke und Serien zieht, nicht offensichtlich, sondern eher am Rande und subtil. Und zwar der Gegensatz von Natur und Kultur bzw. der Gegensatz von Natur und menschlicher Ordnung. Was reizt Dich an dem Zusammenprall dieser wiederstrebenden Prinzipien? Zum Beispiel setzt Du Häuserfassaden und die werden durch Landschaftselemente gebrochen oder es gibt Graffiti-Bilder.

Markus Draper: Wenn Du sagst Natur, dann sage ich Wildnis, sozusagen als Gegenpart, denn mich hat eine Zeit lang sehr dieses Paradiesmodell beschäftigt. Ich hatte angefangen, Landschaften in Strukturen zu zerlegen und später versucht, diese einzufassen. Die Arbeiten habe ich damals „Gärten“ genannt. Das ging dann weiter: Als ich in England studiert hatte, haben mich Abgrenzungen interessiert. Auch da kam mir die Idee, das Gegenüber zu thematisieren. Es gibt eine kleine geordnete Enklave, die sich durch diese Ordnung von der Wildnis unterscheidet. Das Paradiesmodell beinhaltet ja die Ansicht, draußen ist das Wilde und drinnen ist das Geordnete.

Im Sinne eines Rückzugsortes?

Ja, das ist ja das Prinzip von Arkadien, es hat aber auch immer mit einer Drohgebärde zu tun. Denn alles, was nicht innerhalb des geordneten Systems ist, gilt als ungeordnet und gefährlich. Das hat mich immer interessiert. Bezieht man das auf Häuserfassaden beispielsweise, dann gibt es noch einen anderen Punkt, der mir wichtig ist. Da setzt der Drang zur Anarchie ein, Fassaden werden bereinigt,…

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