Ausstellungen: Leipzig · von Ingo Arend · S. 269
Ausstellungen: Leipzig , 2006

Ingo Arend

Nichts für Zugucker

»Art & Politics – Errò Fahlström Köpcke Lebel«

Museum der Bildenden Künste, Leipzig, 11.12.2005 – 26.2.2006

Rotarmisten vor dem Weißen Haus? Die Schreckensvision des amerikanischen Präsidenten dürfte heute anders aussehen. Wenn der Künstler Errò ein Bild der politischen Paranoia von heute malen müsste, würde er wahrscheinlich einen Al-Qaida-Kämpfer mit Turban und Maschinengewehr in den schneebedeckten Garten vor das weihnachtlich erleuchtete Weiße Haus in Washington stellen. Ansonsten frappiert, wie genau manches Bild, das man in der Leipziger Ausstellung Art&Politics zu sehen bekommt, auf die heutige Situation zu passen scheint. Die kleinen blauen Grimassen, die Öyvind Fahlström unter dem Titel Exercise (Nixon) 1971 zu Papier gebracht hat, ließen sich gewiss umstandslos auf das amerikanische Politik-Personal des Jahres 2005 übertragen. Auch im Irak-Krieg wechselt die politische Führung der USA die Mine blitzschnell von der gespielten Ahnungslosigkeit über dreiste Lügen bis zur grimmigen Drohgebärde. Was als satirisches Porträt des damaligen Präsidenten Richard Mulhouse Nixon angelegt war, lässt sich heute noch als generelle Studie über die Masken der (Welt-)Macht lesen.

Der Ausstellung, die schon einmal 2003 in der Hamburger Phoenix-Art-Stiftung eingeschränkt zugänglich war, ist zunächst einmal anzurechnen, dass sie an Positionen engagierter Kunst erinnert, die längst in Vergessenheit geraten schienen. An den 1932 in Island als Gudmundur Gudmundsson geborenen Errò, den 1928 in Brasilien geborenen Öyvind Fahlström, den 1928 in Hamburg geborenen Arthur Köpcke und den 1936 in Frankreich geborenen Jean-Jacques Lebel denkt man nicht instinktiv, wenn man heute über politische Kunst spricht. Höchstens Lebels‘ doppelbödige Skulptur Echtes Schwein(efleisch) Lenin von 1959 hat einen gewissen…

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