Titel: Zur Aktualität des Idyllischen · von Magdalena Kröner · S. 152
Titel: Zur Aktualität des Idyllischen , 2006

Magdalena Kröner

Stadt, Land, Fluss.

Neue deutsche Fotografie zwischen Analyse, Bedeutungsüberschuss und Dekonstruktion

Da es sich jeder Kontrolle entzieht, wird das Urbane über kurz oder lang zu einem wesentlichen Träger der Phantasie werden. Rem Koolhaas

Vom Denkmal zur Spur: Fotografieren nach den Bechers

Als Bernd und Hilla Becher ab 1959 begannen, Wassertürme, Fachwerkhäuser und Hochöfen systematisch und seriell in „Typologien“ zu fassen, führten sie Gegenstände in die Fotografie ein, die dieser zuvor verschlossen waren. Der Blick auf die Zeugnisse einer im Erlöschen begriffenen Industriekultur hatte trotz aller formalen Strenge etwas Sentimentalistisches, auch wenn dies zur Entstehungszeit kaum benannt werden konnte. Das Bewusstsein, dass in dieser Art „objektiv“ genannter Fotografie die Silos, Raffinerien und Förderanlagen in den Rang ästhetischer Objekte erhoben wurden, formulierten die Bechers selbst. Sie beschrieben ihre Bildgegenstände als „Solitäre, die in einem unbestimmten Raumkontinuum stehen“,1 als „anonyme Skulpturen“,2 denen nicht weniger als ein fotografisches Denkmal gesetzt wurde.

In der Abkehr von einem, wie es konservative Lager der Kunstgeschichte zunächst formulierten, „ästhetisch unzureichenden Naturalismus“3 und der Hinwendung zum bislang Nichtbeachteten erarbeitete sich die deutsche Fotografie – analog den fotografischen Neudefinitionen in Großbritannien und den USA durch die „New Topographers“ und „New Colour“- verstärkt ab Mitte der 70er Jahre den Rang einer eigenständigen Kunstform. Ab 1976 hatte Bernd Becher den neu begründeten Lehrstuhl für Fotografie an der Düsseldorfer Akademie inne. Die erste Generation der Becher-Schüler wagte sich vor in bislang von der künstlerischen Fotografie übersehene Gefilde des Realen: sie betrachteten schnöde Straßenzüge in Europa und den USA, erfanden lapidare…

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