Gespräche mit Künstlern , 2006

Marius Babias

Die Rationalität des Schreckens

Ein Gespräch mit Gustav Kluge

Gustav Kluge, der seit 1996 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe unterrichtet, beschäftigte sich in seiner Malerei immer wieder mit der Gewalt-Thematik sowie mit dem Phänomen der Darstellbarkeit von Gewalt – eines Phänomens, das nicht zuletzt durch Guantánamo Bay und Abu Ghraib an politischer Brisanz gewonnen hat. Zuletzt malte er das Bild „Teamportrait Moabit. Eine Allegorie“, das sich mit dem Thema Folter auseinandersetzt; Kluge kombinierte die Präsentation des Bildes mit Archivmaterialien des Behandlungszentrums für Folteropfer Berlin. Ein Gespräch über das Verhältnis zwischen Kunst und Gewalt, Politik und Engagement.

Seit den Experimenten der Sozialpsychologen Stanley Milgram und Philip G. Zimbardo (1974) wissen wir, dass Unmenschlichkeit als eine Folge von sozialen Beziehungen aufgefasst werden kann; Grausamkeit scheint weniger mit der Persönlichkeit zusammenzuhängen, sondern mehr mit den jeweils herrschenden autoritären Strukturen, mit Macht und Gehorsam. So gesehen wurde die Folter an Gefangenen in Abu Ghraib durch amerikanische Soldaten aus sozialen Handlungen heraus erzwungen, wozu es keines unmittelbaren Befehls bedurfte. Wie sind Sie auf die Folter-Thematik gekommen, und warum wollten Sie sie mit den Mitteln der Malerei darstellen?

Von diesen aktuellen Vorgängen ist mein „Teamportrait Moabit“ nicht angeregt worden. Der Ausgangspunkt für dieses Bild ist zunächst nicht so sehr dieses Thema, sondern das Gruppenportrait. Nach jahrelangen Einzelportraits bin…

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von Marius Babias

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