Gespräche mit Künstlern · von Heinz Schütz · S. 230
Gespräche mit Künstlern , 1990

Aribert von Ostrowski:

I N T E R E S S E

Ein Gespräch mit Heinz Schütz

Pappe ist in den achtziger Jahre Aribert von Ostrowskis bevorzugtes Arbeitsmaterial. In seriellen Schichtungen weisen frühe Arbeiten zurück auf minimalistische Traditionen. Ostrowski überschreitet sie in seinen Pappbildern und -modellen, indem er gleichsam emblematisch Bedeutungsebenen evoziert. Dabei tritt das kulissenartige, unprätentiöse Material in einen spannungsgeladenen Gegensatz zu den Bedeutungsebenen. Ohne ihre vollständige Preisgabe werden idealistische Ansprüche und romantizistische Sehnsüchte auf den Boden der Gegenwart zurückgeholt.

Ende der achtziger Jahre wendet sich Ostrowski zunehmend vom Material Pappe ab. Er bewegt sich nun durch die verschiedensten Techniken und Gattungen wie Wandmalerei, Seidenmalerei, Siebdruck oder Textobjekt. Durchgängig ist die Ortsbezogenheit, die Reaktion auf das Vorgefundene und Bestehende, die Integration heterogener Faktoren. Durchgängig ist der Verweis auf die Präsenz des Betrachters und die Konzentration auf das Zwischen. Erinnerungen an Verschwindendes bewahrend entfaltet Ostrowski – durchaus in Einklang mit analytischer Schärfe – die Poesie des Einfachen und Alltäglichen. Der Grundton der Arbeiten ist stille Melancholie. Sie wird dort beredt, wo das Getöse verstummt.

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H.S.: Beschäftigte sich die Kunst der sechziger und siebziger Jahre mit Marktkritik und Marktverweigerung, wurde inzwischen die Eroberung des Marktes zur künstlerischen Strategie. Betrachtet man Ihre Arbeit „on stage“, ließe sich darin eine neue Dimension der Marktkritik vermuten. In „on stage“ verwenden Sie das Pressefoto einer Christie’s Auktion. Verstärkt durch die Kolorierung sind die Auktionare mit Picassos Akrobat und Harlekin auf eine Ebene gerutscht. Das Bild „verlebendigt“ sich, und – überspitzt formuliert – wird nicht das Bild, sondern werden die Harlekine…

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