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Ausstellungen: Amersfoort · von Anneke Bokern · S. 388 - 388
Ausstellungen: Amersfoort , 2004

ANNEKE BOKERN
Interior View

Artists explore the language of architecture
De Zonnehof, Amersfoort, 29.6.-26.9.2004

Der Ausstellungspavillion De Zonnehof in Amersfoort ist von außen betrachtet eine simple Kiste. Etwas versteckt steht er an einem kleinen Platz zwischen nichtssagenden Nachkriegsbauten und wirkt zunächst nicht besonders Aufsehen erregend. Im Inneren offenbart sich der von Gerrit Rietveld erbaute Kubus jedoch als verschachteltes, lichtdurchflutetes Raumkonstrukt, entworfen für die optimale Präsentation moderner Kunst. Stellwände und Stützen sind harmonisch im überschaubaren Saal verteilt, und eine umlaufende Galerie bietet Überblick von oben, ohne den Lichteinfall durch die hohen Fenster zu behindern. Der Raum für die Kunst ist selber ein Kunstwerk, gleichsam ein dreidimensionales Mondrian-Gemälde, in dem 1958 das Gedankengut von De Stijl noch einmal auflebte.

Kein Wunder also, dass man De Zonnehof nicht nur als Ausstellungsort für „Interior View“ gewählt, sondern die Ausstellung sogar speziell für diesen Bau entwickelt hat. Es geht um die Rolle von Architektur als Inspirationsquelle für die Kunst, genauer genommen um das Interesse zeitgenössischer Künstler an dem emotionalen Wirken von Räumen.

Dabei tritt Architektur in den Werken der zehn teilnehmenden internationalen Künstler(teams) meist nur als sichtbare Erscheinungsform des eigentlichen, abstrakteren Themas auf. Wenn Catherine Yass für ihre Serie „Cell“ den Zellenkomplex in einer Polizeistation fotografiert, geht es nur vordergründig um Architektur, vor allem jedoch um Gefühle von Unbehaglichkeit und Klaustrophobie. Yass verfremdet die Farben der Aufnahmen, bis die kaum noch erkennbaren Räume in märchenhaften Grün-, Blau- und Gelbtönen leuchten. Durch den Eingriff verlieren sie ihre inhärent deprimierende Wirkung ebenso wie ihre Dreidimensionalität.

Auch Clare Goodwin transformiert Räume von der…



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