Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte · von Andreas Denk · S. 405
Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte , 1992

Kein Gedenkort für Walter Benjamin?

Dani Karavans Projekt für Portbou zwischen Bangen und Hoffen

Ein Stück Papier fehlte Walter Benjamin zur Rettung seines Lebens. Am 25. September 1940 gelangte der Kulturphilosoph und Ästhetiker nach einem strapaziösen Marsch über einen Pyrenäenpfad mit einer kleinen Gruppe anderer Flüchtlinge aus Frankreich ins spanische Portbou, um den Nationalsozialisten zu entkommen. Von hier aus hoffte Benjamin einen Atlantikhafen zu erreichen, um endgültig in den USA Sicherheit zu finden, für die ihm Max Horkheimer ein Visum organisiert hatte.

Doch Benjamin war nicht im Besitz des für die Aufnahme in Spanien notwendigen gültigen französischen Ausreisenachweises. Nur weil die Exilanten restlos erschöpft waren, gewährte man ihnen eine Nacht Erholungspause in einem Hotel im Grenzdorf, am anderen Tag sollten sie wieder nach Frankreich abgeschoben werden, wo Benjamin mit einer KZ-Deportation sicher rechnen mußte. Im Hotel beging Walter Benjamin (nach einigen letzten Rettungsversuchen, wie die Historikerin Ingrid Scheurmann herausgefunden hat) in der Nacht mit einer Überdosis Morphiumtabletten Selbstmord.

Auf eine Anregung Richard von Weizsäckers prüfte das Innenministerium 1989 die Möglichkeit, stellvertretend für alle deutschen Exilanten dem bedeutenden Denker im Sterbeort eine Gedenkstätte zu errichten. Eine mögliche Ausführung wurde dem Auswärtigen Amt überwiesen, das schließlich die Organisation dem Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute (AsKI) in Bonn übertrug. Der AsKI, vertreten durch seinen Geschäftsführer Konrad Scheurmann, trat daraufhin mit dem israelischen Bildhauer Dani Karavan in Verbindung, der für die Situation des Friedhofs in Portbou, auf dem Benjamin begraben liegt, einen „Gedenkort“ konzipierte.

Karavans Projekt besteht aus drei Wegen, die vom Vorplatz des Friedhofs Bereiche in dessen Umfeld erschließen. Ein…

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