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Ausstellungen: Wien · S. 306 - 305
Ausstellungen: Wien , 1988

Helmut Draxler
Klaus-Dieter Zimmer

Galerie Amer

Man stelle sich einen üppig gedrechselten Holzrahmen vor, der ins Bild hinein geklappt wurde, und vielleicht der zentrale Bildgedanke von Klaus-Dieter Zimmer wird einem unmittelbar einsichtig: eine monochrome Farbfläche (Schwarz, Orange) erhält dadurch einen ornamental ausgefransten Rand (Weiß, Schwarz). Der 1954 in Siegen geborene Künstler lebt seit 10 Jahren in Wien (neuerdings auch in Frankfurt), ist ein abtrünniger Schüler des Phantasten Rudolf Hausner, und verbindet in seiner Arbeit barocke Motive mit einer protestantisch kühlen Aura, gewissermaßen diszipliniert er die ornamentalen Wucherungen hin auf konzeptuell-präzise Bildbefragungen.

Besonders in den schwarz/weißen Gemälden und den Tuschzeichnungen wird die Herkunft seines Verfahrens aus der Scherenschnittästhetik etwa eines Philipp Otto Runge deutlich. Interessant ist daran freilich nicht die naiv-romantische Kinderstube (mit ihrem Figurenreigen und der Blütenästhetik), sondern der kontrollierte Einsatz solcher Mittel hin auf Kategorien wie Abstraktion und Gegenständlichkeit, Monochromie und Farbverhältnisse, Bild-Objekt-Beziehungen, die Oberflächen und die Ränder, die Rahmung und damit der Bezug zum Umfeld etc.

Auf manchen Bildern wandert der Rand gleichsam ins Bildfeld hinein, wird dort spiegelbildlich ergänzt und damit zu einer Art Spielfigur (ein Bilboquet, wie es Magritte so gerne verwendete). Bei mehreren solcher ‘Figuren’ verschieben sich die Konvex-Konkav-Entsprechungen in den Vertikalen, und daraus entsteht ein lebendiges Figur- und Grundspiel: die ‘Balustrade’ der Figuren ist immer vom optischen Umkippen, vom Figur-Werden der Zwischenräume bedroht. Das Problem stellt sich freilich schon bei den reinen Rahmenbildern: Einmal sehe ich eine monochrome Fläche mit ausgefranstem Rand, dann wieder einen ‘gedrechselten’ Rahmen, der unauffällig gefüllt ist. Durch verschiedene Tönungen in Weiß bzw. durch…


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