Ausstellungen: Düsseldorf , 1982

„Kommen Sie ‚mal einem Punker mit einem Buch!“

Jörg Immendorff „Café Deutschland – Adlerhälfte“ – Kunsthalle Düsseldorf

Am Kragen seiner schwarzen Leder-Jacke prunkt ein roter chinesischer Buchstabe und ein Pinsel in Form eines Fragezeichens. Um den rechten Arm trägt er einen breiten Silberreif. Den schmückt, weil er es allen Bürgern spenden kann, eine Gravur seiner Blutgruppe und als Wulst aufgesetzt das Zeichen der Gesellschaft der deutsch-chinesischen Freundschaft. Einmal, vor Jahren – und in Euphorie – ließ er es sich auch auf einen Arm tätowieren und ist nun bis auf alle Zeiten damit geschmückt.

Vor allem Engagement ist der Cafe-Deutschland-Zyklus immer auch atmosphärisch. Sein vorherrschender Eindruck: Eisschollen, Dunkelheit, gleißende Lichtkegel. Doch die Ausstellung zeigt auch schöne expressive Skulpturen aus Linden-Holz. Das Kernstück der 70 Gemälde der Ausstellung sind etwa 19 sehr großformatige Leinwände vom Format 3×4 Metern. Mit der dunklen aber gesättigten moralischen Palette eines neo-expressiven Künstlers trug der 37-jährige Düsseldorfer Künstler Jörg Immendorff all jene malerischen Kommentare dessen zusammen, was ihm schlagzeilenartig zum Thema „Geteiltes Deutschland“ einfiel. Farben und Großformate erinnern an den amerikanischen Regionalisten und Realisten Thomas Hart Benton, der in den USA in der Zeit der großen Depression malte. Das Kernstück – das Café – ist das Stammlokal und die Diskothek des Künstlers in der Düsseldorfer Altstadt in der Bolkerstraße mit dem flotten Namen „Revolution“. Hierhin verlegt Immendorff die deutsch-deutsche Wirklichkeit. Das Café wird zum Spiegelkabinett von Erlebtem, Phantasierten! und Erdachtem. Personen erscheinen als Chiffren und Schemen. Gegenstände werden dagegen zu phantasievollen und spritzigen Emblemen. Erkennt man Personen und Figuren, wie…

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von Gislind Nabakowski

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