Ausstellungen: Marl , 1982

Jun Suzuki

in ‚Vier Düsseldorfer Bildhauer‘ in Marl (bis 31.5.)

Bodenskulpturen aus Granit, bzw. Marmor, und Leuchtstoffröhren akzentuieren die bildhauerischen Arbeiten der letzten beiden Jahre des in Düsseldorf ansässigen Japaners Jun Suzuki. Das natürliche und das künstliche Material werden auf eine Weise miteinander verbunden, die auf den ersten Blick willkürlich erscheint. Alle Steine sind gesprengt oder zerschnitten, ohne daß die Lichtspuren der Leuchtstoffröhren damit in einem (erkennbaren) ursächlichen Zusammenhang stehen. Sie sind vielmehr ein zusätzliches Element, daß sich erst in der Entwicklung dieser Werkreihe stückweise in den Stein integriert. Die Neon-Farblinie wird auf zweifache Weise ‚gefangen‘ gehalten: durch den Glasmantel der Röhren und durch den Stein, den sie durchdringen. Und dennoch scheinen sie der lebendigere Teil der Skulptur zu sein, obwohl doch der Stein durch seine Herkunft und seine Struktur Lebendigkeit und Natürlichkeit symbolisiert. Durch Kombinationen und Kompositionen, die Suzuki vornimmt, wechseln die Materialien ihren Charakter: der Stein wirkt weicher als das fast entmaterialisierte Licht, das von schneidender Schärfe zu schmeichelnder Wärme wechselt. In zwei Aluminium-Filz-Wandobjekten erscheint das widerstandsfähige Metall wie eine dünne, leicht reißbare Haut; in einigen Granit-Glas Skulpturen wirkt das durchsichtige Material schwerer und behäbiger als der robuste Stein. Mit den Begriffen Zerstören und Durchdringen läßt sich der formale Aspekt der Arbeiten Suzukis charakterisieren. Dieser aktive Prozess mündet aber gleichwohl in einem Gleichgewicht, das durch den Eindruck von Umkehrung der Materie-Eigenschaften eine dauerhafte Ruhe einkehren läßt.
Heinz Thiel

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