Ausstellungen: Bonn · von Amine Haase · S. 164
Ausstellungen: Bonn , 1982

Horst Münch, Norbert Prangenberg

Bonner Kunstverein, Galerie Ricke Köln

Zwei Künstler, der eine 1949, der andere 1951 geboren, setzen sich ab vom modisch grassierenden Trend wilder Gestik. Annelie Pohlen wählte Arbeiten von Norbert Prangenberg und von Horst Münch für eine Ausstellung im Bonner Kunstverein aus. Die knappe Werkübersicht gibt Anlaß zum Nachdenken und zu Hoffnung. Nachdenken über die Bedingungen unabhängiger Kreativität junger Künstler heute. Hoffnung auf einen Sieg künstlerischer Freiheit über marktorientierte Auflagen.

Die Spannung, die sich aus der Gegenüberstellung der Arbeiten von Münch und Prangenberg ergibt, macht einen weiteren Reiz dieser Ausstellung in Bonn aus. Prangenberg setzt sich intensiv mit den Möglichkeiten des Materials Papier auseinander. Er verdichtet formale Bedingungen, bis die Oberflächen poetische Zeichen seines Abstraktionswillens werden. Am klarsten formuliert sind die Arbeiten Prangenbergs, bei denen er die Zerbrechlichkeit des Materials akzentuiert, die Fläche in Vorder- und Hintergrund gliedert, indem er bemaltes Papier durchlöchert und durch diese ausgesparten Kreise Pergament, weiß oder bemalt, scheinen läßt.

Münch gibt sich seinen Bildeinfällen offensichtlich spontaner hin. Dabei kommt es ihm weniger auf das konsequente Ausarbeiten eines (unverwechselbaren) „Stils“ an, als auf Ausdruck und Vermittlung von Gefühlen, Gedanken, Stimmungen. Aber mit jener weit verbreiteten „neuen Expressivität“ hat seine Arbeit kaum etwas zu tun. Seine rostrote „Knochenkunst“ (1981), die im Bonner Kunstverein als Environment installiert ist, beweist es: Formale Disziplin kontrolliert auch die aggressivste Explosion.

Die Kölner Galerie Ricke zeigt Werke von Münch, die seine Offenheit gegenüber anderen Kunstformen – Literatur und Musik – belegen. Vor allem jenes mit Kupferlack bemalte Holzrelief „Mahood“ (1981), mit dem Münch sich…

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