Ausstellungen: Berlin , 1982

Markus Raetz – Neue Arbeiten

DAAD-Galerie Berlin

Ein Beobachter des Beobachtens Erbsenpaule und Bierhimmel; Leben (ganz groß) und Arbeiten (etwas kleiner); die Werte und ihre Bedeutungen; ein Zugfenster mit der Anweisung ‚Hinauslehnen, Gegenstände hinauswerfen‘; ein trauriges Gesicht, das sich mehr und mehr verzerrt, es nennt sich ‚Askanische Platzwunden‘; Tageszettel mit allen möglichen Berliner Alltagsbeschäftigungen; Wortspiele wie dies: „Ekstase, Askese, Azteke, exakte, Exzesse, Abszesse …“; und Zeichnungen wie jene vom Maler, der vor einem verkorksten Staffeleibild sitzt, den gequälten Kopf in den Händen, darüber steht einfach: „Schisdräck“. Ein Buch voller Skizzen und Daten (es reicht vom 24.5.81 bis zum 9.2.82), voller spontaner Zeichnungen, Notizen und Merkzettel gab der Berner Zeichner Markus Raetz am Ende seines Berlinaufenthaltes im Rainer Verlag heraus. Dieses Zeichnertagebuch „Notizen 1981-1982“ ergänzt vielleicht besser als jeder Katalog die neuen Arbeiten von Markus Raetz in der Daad-Galerie; denn was hier zu sehen ist, ist ebensosehr der genaue Griff nach dem Unscheinbaren, der Blick für die Dinge, die ihm täglich in die Hand geraten. Aus Eukalyptusblättern formt Raetz Gesichter; aus Zweigen und kleinen Astgabeln werden Linien eines Profils oder Hände, die Wellen ziehen; aus einem beleuchteten Spiegel wird eine Fratze, die sich an der Wand weiterzieht; und aus einfachen Holzstücken wird „Mimi“, eine unendlich verdrehbare Figur.

Markus Raetz spielt mit den einfachsten Mitteln und mit der Neugier, was sich hinter den zufälligen Formen verbergen könnte. Und er spielt mit den Standpunkten, die die Wahrnehmung mitbestimmen – je nach Blickwinkel entsteht oft aus harmlosen, an die Wand genagelten Hölzern ein Bild, eine täuschende Wirklichkeit,…

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von Barbara Schnierle

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