Titel: Wilde Bilder - Graffiti Und Wandbilder · von Walter Grasskamp · S. 134
Titel: Wilde Bilder - Graffiti Und Wandbilder , 1982

Plakataktionen

Seit es Plakate gibt, sind sie Gegenstand künstlerischer Gestaltungsbemühungen gewesen, aber keineswegs immer konstruktiv: die Décollage-Technik hat gerade im Plakat ihr liebstes Opfer gefordert. Die Aktionsbilder Wolf Vostells, die übereinander geklebte Plakate als Palimpseste (als übereinander liegende Schriften, die sich gegenseitig unlesbar machen) behandelten, sind ebenso bereits Klassiker der modernen Kunst geworden wie die der ähnlich arbeitenden Neuen Realisten Villeglé und Hains.

Lange Zeit war das Ausstellungsplakat das einzige, das von Künstlern im Zusammenhang mit ihren Ausstellungen gestaltet wurde, mittlerweile sind Plakataktionen als außermuseale Ergänzungen von Museumsausstellungen häufiger. Sarkis arbeitet bei manchen Ausstellungen gezielt mit über die Stadt verteilten Plakaten, Bernhard Sandfort hat sein Museum der Fragen auch auf Plakatwänden auszugsweise vorgestellt, Klaus Staeck Plakatwände regulär gemietet und darauf seine Plakate ausgestellt.

Auch für Sprayer und andere Volkskünstler sind Plakatwände beliebte Ansatzpunkte ihrer Arbeit; kleine Korrekturen mit großer Wirkung und die Veralberung der Werbemythen kennzeichnen Höhepunkte eines verbreiteten Volkssports, Graffiti auf Plakatwände anzubringen, was nach genau geregelten Gesetzen bestraft werden kann, sofern die Überarbeiter sich dabei erwischen lassen, wenn sie auf Helmut Kohls Wahlwerbungs-Foto ein paar Vampirzähne anbringen oder Helmut Schmidt die Wangen rot anmalen. Verboten ist auch, ein denkwürdiger Ausdruck, das wilde Plakatieren, worunter das Anbringen von Plakaten an beliebigen Flächen ohne Erlaubnis des zuständigen Amtes zu verstehen ist, gestattet ist es dagegen, in Wahlkampfzeiten ganze Städte mit mobilen Plakatwänden zu überschwemmen, aus denen maskierte Politiker hervorlächeln, die man so häufig auch nicht unbedingt sehen müssen möchte, dann schon lieber die meterhohen Plakate mit den Physiognomien zufälliger Passanten, die Braco Dimitrijevic

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von Walter Grasskamp

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