Magazin: Museen & Institutionen , 1998

Andreas Denk

Kulturpalast aus Eierschalen

Renzo Pianos „Centre Culturel Jean-Marie Tjibaou“ in Nouméa

Noch auf François Mitterands „Grands Projets“ geht das Projekt eines Kulturzentrums für Neu-Kaledonien zurück. Neben der französischen Hauptstadt, die er unter anderem mit dem „Grand Arche“, der Louvre-Pyramide, der französischen Nationalbibliothek und weiteren Repräsentationsbauten ausstattete, fühlte sich der Staatspräsident auch der französischen Kolonie zwischen Neuseeland und den Salomon-Islands verpflichtet.

1774 von James Cook entdeckt, gehören die Inseln seit 1853 zu Frankreich. Auf der ehemaligen Strafkolonie kam es seit 1984 immer wieder zu Unruhen der melanesischen Urbevölkerung der Kanaken, die gegen eine französische Minderheit ihre Selbständigkeit durchsetzen wollten. 1988 unterzeichnete man nach einem Massaker an melanesischen Freiheitskämpfern ein Abkommen, das der kanakischen Bevölkerung eine gewisse Autonomie einräumt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Aufbau eines durch Frankreich zu finanzierenden Kulturzentrums und einer Agentur zur Förderung der kanakischen Kultur (ADCK) vereinbart.

Nach einem ersten Entwurf des Kulturzentrums für die Peripherie von Neukaledoniens Hauptstadt Nouméa (1989), das mehr „einem Jugendzentrum in einer beliebigen Kleinstadt“ (so die Fachzeitschrift „Bauwelt“) glich, erklärte Mitterand das Projekt zur Chefsache und beauftragte nach einigem Hin und Her den italienischen Architekten Renzo Piano mit der Planung.

Pianos „Building Workshop“ entwarf daraufhin ein filigran wirkendes Gebilde, das mehr die ephemere Definition eines Raums denn ein festes Haus ist. Dabei scheint es Piano und seinen Mitarbeitern gelungen, die für das Büro typische „moderne“ Architektursprache mit Reminiszenzen der einheimischen Bautradition zu verbinden.

Die 230 Meter lange Holzkonstruktion auf der Halbinsel Tina bei Nouméa folgt den Geländelinien der Landzunge. Zum Meer hin sind dem gebogenen Riegel, der…

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