Nachrichtenforum: Kulturpolitik , 2000

BONN: BREKER-DEBATTE

1954 schuf der Bildhauer Arno Breker eine Skulptur mit der antiken Jagdgöttin Diana als Motiv. Die Plastik stand auf dem Bonner Venusberg, bis sie 1999 nach Stuttgart zur Restaurierung gebracht wurde. Eigentümerin der Skulptur ist die private Baugesellschaft BBT. Der „Bonner Generalanzeiger“ veröffentlichte in den vergangenen 12 Monaten kontinuierlich Leserbriefe, in denen eine Wiederaufstellung der Skulptur auf dem Venusberg gefordert wurde. Die BBT wäre inzwischen sogar bereit gewesen, die Plastik der Stadt Bonn zu schenken. Bis auf die Grünen waren sämtliche Fraktionen gegenüber einem solchen Geschenk auch nicht prinzipiell abgeneigt. Kulturdezernent Jochem von Uslar jedoch intervenierte bis jetzt erfolgreich gegen die Annahme einer doch recht umstrittenen Gabe.
Bis zum 6. August 2000 war die restaurierte Plastik dann als Leihgabe im Frauenmuseum Bonn zu sehen, anlässlich einer Ausstellung über die griechische Göttin Artemis. Dort wurde heftig darüber diskutiert, was mit der Skulptur nun passieren soll: „Einschmelzen, ab in die Versenkung oder Rückkehr auf den Venusberg ? Hätte die Stadt Bonn das Geschenk doch annehmen sollen ?“
Wie die Menge der Leserzuschriften beweist, hat Breker jede Menge Fans innerhalb des konservativen Bonner Bildungsbürgertums, das die Diskussion kunstimmanent und nicht politisch führen will. Doch selbst über diese Diana-Plastik aus der Zeit nach 1945 urteilt Heidrun Wirth in der „Kölnischen Rundschau“ (Eifel-Ausgabe vom 5.7. 2000): „Klassisch schön mit leichtem NS-Timbre“.
Der Bildhauer selbst hat sich bis zu seinem Tode immer dagegen zu wehren versucht, als NS-Künstler bezeichnet zu werden. Aber auch bei einer rein ästhetischen Betrachtung seines Werks hatte sich…

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