Gespräche mit Künstlern · von Amine Haase · S. 310
Gespräche mit Künstlern , 1997

Bernar Venet

Kunst begegnet der Mathematik

Ein Gespräch von Amine Haase

Bernar Venet ist 1941 in Südfrankreich geboren. Mit 25 Jahren zieht er nach New York und macht konzeptuelle Kunst, die er 1968 bei der legendären „Prospect“ in der Düsseldorfer Kunsthalle und bei der wegweisenden Ausstellung „Conception, Konzeption“ in Leverkusen vorstellt. 1970 zeigt Paul Wember in Krefeld einen Überblick auf Venets Schaffen. 1977 wird Venet zur Teilnahme an der documenta in Kassel eingeladen, 1978 zur Biennale in Venedig. 1987 schenkt der französische Staat Venets monumentalen „Arc de 124.5*“ der Stadt Berlin zur 750-Jahr-Feier. Venet erfindet für die Pariser Oper ein Ballett, fotografiert, schreibt Texte über seine Kunst, macht einen Film. Er erhält eine Reihe öffentlicher Aufträge und führt Variationen seiner „Lignes indéterminées“ aus, seiner „unbestimmten Linien“ aus gewalztem Stahl. Mit diesen großen, dennoch sehr leicht wirkenden Skulpturen verbindet man meistens den Namen Bernar Venet. Daß der Künstler viel mehr Gesichter hat, wird im folgenden Gespräch deutlich.

In Köln sind derzeit eine Folge von Venets Groß-skulpturen aufgestellt, am Rhein, zwischen Museum und Stapelhaus.

*

A. H.: Erzählen Sie etwas über die Anfänge Ihrer künstlerischen Überlegungen.

B. V.: Die Anfänge erscheinen vielleicht anders als das, was ich jetzt mache, weil die Form anders ist. Aber es gibt ganz enge Beziehungen. Zum Beispiel der „Kohlehaufen“, den ich 1963 in einen Galerieraum gelegt habe, die konzeptuellen Arbeiten, die nur durch Sprache, durch Zeichen funktionieren, die Malerei und die Reliefs bis hin zu den heutigen Skulpturen – all das hat einen gemeinsamen Nenner: nämlich einem Kunstwerk einen präzisen Charakter zu geben, seine…

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