Gespräche mit Galeristen · von Heinz Schütz · S. 450
Gespräche mit Galeristen , 1998

RÜDIGER SCHÖTTLE:

Kunst in der »Gesellschaft des Spektakels«

HEINZ SCHÜTZ SPRACH MIT DEM MÜNCHNER GALERISTEN ANLÄSSLICH SEINES 30JÄHRIGEN JUBILÄUMS

1968 gründete Rüdiger Schöttle seine Galerie. 1972 zog er von den Räumen in der Münchener Prinzregentenstraße nach Schwabing in die Martiusstraße, wo die Galerie bis heute ihren Sitz hat. In der Münchner Kunstlandschaft, in der sich bis in die späten siebziger Jahre hinein nur wenige Galerien überhaupt für zeitgenössische Kunst engagierten, gehört er zu den Pionieren, die in den frühen siebziger Jahren konzeptualistische Positionen vorstellten. Das Galerierprogramm blieb bis heute dem Zeitgeist auf der Spur, ohne ihm zu verfallen. Über seine Galerietätigkeit hinaus betätigte sich Schöttle auch als Essayist und Künstler/Kurator.

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H.S.: In der nun dreißigjährigen Geschichte der Galerie lösen sich immer wieder durchaus konträre Kunstrichtungen ab. Die Galerie startete mit Konstruktivisten, dann folgten, was insbesondere aus der Perspektive des heutigen Galerieprogramms überraschen mag, mit Arnulf Rainer und Hermann Nitsch, Künstler des Wiener Aktionismus. Warum sind die Wiener nach 1972 aus dem Programm verschwunden?

R.S.: Das Ganze war mir zu sehr mit emotionalen Werten aufgeladen, die ich von meiner Kindheit her schon kannte. Aus diesem Grund gab es bei mir zuerst einen kurzen Wiedererkennungseffekt, doch dann hat sich für mich gezeigt, daß hier der emotionale Ausdruck der Nachkriegszeit weiterwirkt, jener Zeit mit diesem leeren und das heißt hier, geschichtslosen Raum der nicht bewältigten Vergangenheit. Das war mir zu sehr verhaftet mit dem Ausdruck dieser Zeit, mit den Erzählungen, die ich von dieser Zeit kannte.

Der Wiener Aktionismus wurzelt zwar in den fünfziger Jahren, aber eigentlich entfaltete er…

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