Ausstellungen: Berlin , 2007

Ronald Berg

Kunst und Propaganda im Streit der Nationen 1930 – 1945

»Eine vergleichende Ausstellung zur Verflechtung von Kunst und Politik «

Deutsches Historisches Museum, 26.01.07 – 29.04.07

Man hätte im Vorfeld vermuten können, die Ausstellung „Kunst und Propaganda“ böte Anlass zum Skandal. Erstens zeigt das Deutsche Historische Museum (DHM) hier jede Menge Nazi-Kunst, darunter Kriegspropaganda der übelsten Sorte, und zweitens werden Stücke präsentiert, die zu den nach 1945 von den USA beschlagnahmten NS-Kunstwerken aus Reichsbesitz gehören. Die Beutekunst wurde bis heute nicht restituiert. Doch weder in der einen noch in der anderen Sache scheint sich irgendjemand ernstlich darüber aufzuregen. Im Falle der im Center of Military History in Washington D.C. zurückgehaltenen Werke der „German War Art Collection“ erklärt der leitende Brigadegeneral, die dortigen Gemälde seinen gar keine Kunst (womit ihr Einbehalt durch das Potsdamer Abkommen gedeckt wäre). Ähnlich lautet übrigens die Argumentation zur Präsentation der NS-Kunst bei Hans-Jörg Czech, der zusammen mit Nikola Doll die Ausstellung im DHM kuratiert hat. „Es ist eben keine Kunstausstellung“, erklärte er. Merkwürdig nur, dass der Begriff Kunst sogar im Ausstellungstitel vorkommt. Das Paradoxon löst sich auf, wenn man sich vor Augen hält, dass es sich hier nicht um eine Kunstausstellung handelt, wohl aber um eine Ausstellung über Kunst und ihre Instrumentalisierung für politische Zwecke.

Anlass der Schau war die Überstellung sämtlicher im Besitz der Bundesrepublik befindlichen Werke von NS-Kunst an das DHM. Bis auf den Rest im Center of Military History haben die USA nämlich ihre Kunsttrophäen inzwischen zurückgegeben. Bereits 1951 kamen 1700 Stücke zurück, 1986 noch einmal…

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