Magazin: Hochschulen & Akademien , 1998

Jens Rönnau

Ludger Gerdes

Ein neuer Platz auf dem Campus der Fachhochschule in Kiel-Dietrichsdorf

Die Ideen des Kieler „Kunstlaboratoriums“ von 1994 nehmen erneut ausgeführte Gestalt an. Zu jenem „Laboratorium“ waren vom schleswig-holsteinischen Kultusministerium zehn Künstlerinnen und Künstler geladen, um Konzepte für einen neuentstehenden Hochschul-Campus in Kiel-Dietrichsdorf zu entwickeln. Die besten dieser Konzepte werden nach und nach in die Tat umgesetzt. Als erstes wurde ein rostiger Klangcontainer von Ulrich Eller auf dem neuen Campus aufgestellt, der sich seitdem als irritierender Fremdkörper erweist. Jetzt ist dort ein Platz nach den Plänen des Düsseldorfer Malers und Konzeptkünstlers Ludger Gerdes errichtet worden. 12 Granitkugeln um eine runde Bodenvertiefung herum wurden installiert. Erdarbeiten und Baumpflanzungen gehören dazu.

Ludger Gerdes, Jahrgang 1954, ist für verschiedene Gestaltungs-konzepte für Kunst im öffentlichen Raum bekannt, unter anderem für Plätze und sein „Schiff für Münster“ von 1987, eine Schiffs-Architektur aus Stein, Wasser und Pflanzen inmitten von Ackerlandschaft. Er studierte bei Lothar Baumgarten, Timm Ulrichs und schloß bei Gerhard Richter ab. 1994 waren seine malerischen Architekturen in der Kieler Kunsthalle zu sehen. Die Verbindung von Landschaft, Architektur und Malerei ist Antriebsfeder für den Düsseldorfer, der sich indes jeder Funktionalität von Kunst am liebsten verschließt. „Jedenfalls erfüllen meine Sachen keinen Zweck und keine Funktion. … Mein Prüfstein ist, nicht verwendungsfähig zu sein“, formulierte Ludger Gerdes 1995 in einem Vortrag des Württemberger Künstlerverbandes.Von jener reinen L’art pour l’art-Idee entfernt sich der Gerdes mit dem Kieler Campus-Projekt allerdings so wohltuend, daß er weder sein Ideal aufzugeben braucht, noch sein Werk sich dem Betrachter entzieht. Der Ort lädt zum…

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