Magazin: Kulturpolitik , 1997

Claudia Wahjudi

Machtwechsel

Neue Zeiten für das Berliner Künstlerinnenprogramm

Die taz ahnte es bereits Ende 95. Sollte die CDU tatsächlich den Kultursenator stellen, hieß es damals, sei es bald finster bestellt um Projekte, die Kultur von Frauen fördern, zum Beispiel um das Künstlerinnenprogramm im Hause des Senators selbst. Das nämlich hatte in seiner besten Zeit jährlich 1,2 Millionen Mark für Projekte an Künstlerinnen und Veranstalterinnen aller Sparten vergeben. Damit war es europaweit einzigartig. Und sein damaliger Chef, Ulrich Roloff-Momin, dem es direkt unterstand, ziemlich stolz darauf.

Ein Jahr später zeigte sich, daß die taz richtig geraten hatte. Zwar gibt es das Berliner Künstlerinnenprogramm weiterhin, weil einst fixiert worden war, daß seine Existenz von politischen Machtwechseln unberührt bleibt. Doch mit der großen Freiheit, welche die Mitglieder der „Arbeitsgruppe kulturelle Aktivitäten von Frauen“ genossen, ist es jetzt vorbei. Im Zuge der Umstrukturierung, die Roloff-Momins Nachfolger Peter Radunski (CDU) nicht nur Berliner Kulturbetrieben, sondern auch seiner eigenen Behörde verordnet hat, findet sich die Abteilung nun mit den Förderbereichen für Bildende Kunst, Ausländerkultur, Musik und Literatur zu einem großen Referat zusammengefaßt: „Ressourcen bündeln“ heißt das Schlagwort, für das ein Gutachten des Landesrechnungshofs den Anlaß gab.

Mit den formalen Änderungen kamen die personellen. Leiterin der neuen Großabteilung wurde im Herbst die ehemalige Münchner Theatermacherin Barbara Esser, seit 1990 in der Kulturverwaltung und zuständig für Musik und Freie Darstellende Kunst. Sie gilt als Workaholic und wurde bisher vor allem für ihre Vermittlung zwischen Off-Kultur, Investoren und Land geschätzt, weniger für Erfindungen wie „Metrobeat“, den Nachfolger des „Senatsrockwettbewerbs“. Die Förderung der Kultur…

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von Claudia Wahjudi

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