Ausstellungen: Wuppertal · von Claudia Posca · S. 272
Ausstellungen: Wuppertal , 2015

Claudia Posca

Maike Freess

»Von blinder Gewissheit«

Von der Heydt Kunsthalle, Wuppertal, 30.8. – 3.1.2016

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Da ziseliert eine Künstlerin mit Bleistift, Kreide, Tinte unfassbare Gesichts- oder Ganzkörper-Portraits aufs Papier, dass man meinen könnte, ein Cranach, Dürer, Goya habe mitgewirkt; und wundert sich, dass dieselbe Frau genauso versiert in den Sparten Foto, Video und Installation unterwegs ist: Maike Freess.

Zu sehen ist ihr ausgefallenes Werk in der Wuppertaler Von-der-Heydt-Kunsthalle Barmen, wo Arbeiten aus rund zwei Jahrzehnten eine dichte Inszenierung im Spannungsspektrum von Alp, Dämon und Dunkelreich geben.

Die damit solch altmeisterlichem Zeichnungs-Können in die Abgründe menschlicher Existenz, vornehmlich Heranwachsender, dringt, wurde 1965 in Leipzig geboren, lebt heute in Berlin und hat ihr Talent an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, aber auch an der Kunsthochschule Halle/ Burg Giebichenstein bei Professor I. Götze perfektioniert. Nur eines hat Maike Freess nie getan: gemalt. Weil Leinwände ihr zu soft seien, ihr die Widerständigkeit des Papiers lieber ist.

Ohne Vorstudien anzufertigen, steigt die im Pariser Multi-Media-Atelier Christian Boltanskis von 1991 bis 1992 Studierende hinab ins Tiefst-Innere, experimentiert direkt auf dem Untergrund surreal anmutende Höllenfahrten.

Mit der eigenen Person geht die Künstlerin nicht zimperlich um: Ganzkörper-geteert und gefedert präsentiert sie sich in der lebensecht-großen Farbfotografie „Insomnia 2“ – ein Selfie ganz eigener Art: mit Fetisch-Charakter. Darauf mittig platziert eine exotische Fremde, die sich „Schlaflosigkeit“ nennt, eine Königin der Nacht sein könnte.

Die Augen aber, hier ausnahmsweise mal blitzblank leuchtend, sind bei vielen der anonymen Figurinen Maike Freess` geschlossen. Oder starr. Oder blind. Ob sie oder Etwas hinter…

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