Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 2000

Martin Pesch

»Man muss schon ganz schön … viel lernen, um hier zu funktionieren«

Eine Ausstellung zum Verhältnis von Migration und Identität

Frankfurter Kunstverein, 28.1. – 12.3.2000

Konnte man zu Anfang der neunziger Jahre angesichts der politischen Umbrüche in Europa eine intensive Politisierung einer bestimmten Generation von Künstlerinnen und Künstlern beobachten, ließ diese im Lauf des Jahrzehnts die Dinge doch mehr oder weniger unkommentiert vorüberziehen. Dass sich unter den Schlagworten Migration, Rassismus, Xenophobie, Globalisierung, Kriegsgefahr auf dem europäischen Kontinent eine unverändert prekäre politische Gemengelage gebildet hat, tritt nach und nach aber wieder ins Bewusstsein der Kunst. Die Ausstellung „After the Wall“ in Stockholm, die Doppelausstellung von Johanna Kandl und Ann-Sofi Sidén in der Wiener Secession sind erste Beispiele dafür. „Man muss …“ im Frankfurter Kunstverein, in der Arbeiten von 12 internationalen Künstlerinnen und Künstlern hauptsächlich der jüngeren Generation zu sehen sind, ist in diesem Zusammenhang zu sehen.

Setzt man sich künstlerisch mit dem „Verhältnis von Migration und Identität“ auseinander, bewegt man sich auf einem gut bestellten Feld. Hier wurden vor einem Jahrzehnt, insbesondere was die Kontextualisierung der Kunst innerhalb der betreffenden Theoriebildung und von popkulturellen Phänomenen, große Leistungen erbracht. Es ist deswegen erstaunlich, wie weit einige der hier präsentierten Arbeiten hinter den gesetzten Standards zurück bleiben. Ayse Erkmens Video „Emre + Dario“ (1999) versucht zwar, die Problematik kultureller Zuschreibungen zu verhandeln; die Arbeit missachtet aber, wie bewusst diese Thematik von geläufigen Videoclips längst verhandelt wird, weil die Probleme von Migration, unterschiedlicher Sprachen und Codes in Gebärden und Kleidung zum konkreten Lebensumfeld von Jugendlichen gehören. Fünfzehn…

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