Titel: Zeit · Existenz · Kunst · von Heinz-Norbert Jocks · S. 258
Titel: Zeit · Existenz · Kunst , 2000

DANI KARAVAN

Die Freiheit des Sklaven der Zeit oder die Zeit der Passage

EIN GESPRÄCH VON HEINZ-NORBERT JOCKS

Sein Werk ist ein aufrichtiger Dialog mit Raum und Zeit. Für Dani Karavan, dem 1930 in Tel Aviv geborenen Künstler, ist Israel als sein Kindheitsland von unschätzbarer Bedeutung. Als er 1963 mit der Realisierung seines wohl berühmtesten Projektes, dem Negev Monument begann, errichtete er bei Beersheba einen hundert mal hundert Meter einnehmenden, weißen Betonkomplex, dessen Turm zwanzig Meter aus dem Wüstenboden emporragt. Er gab mit diesem begehbaren Werk der Sandwüste ein Zentrum und bestimmte von hier aus die Himmelsrichtungen, nach denen er seine instrumentale Architektur ausrichtete. Verbunden ist damit die Forderung an den Betrachter, Kunst sowohl sehend wir auch gehend wahrzunehmen, und zwar jeder gemäß seiner Zeit und seiner Gehgeschwindigkeit. Es ist sicherlich nicht falsch anzunehmen, dass in seinen Wüstenarchitekturen, Environments und Landschaftsgestaltungen die Idee alter Kalenderbauten in ihrer funktionalen Ästhetik und in ihrem mystischen Ursprung wiederauflebt. Eine Ursehnsucht wird hier nicht nur angesprochen, sondern auch vergegenwärtigt. In der Kunstwelt dieses Mannes, die aus gestalteten Innen- und Außenräumen besteht, erhält der mythenlos gewordene Betrachter dank konzentrisch verlaufender Bodenplatten, Stufentürme, axial nach bestimmten Himmelrichtungen gerichteten Treppen, Wasserrinnen und Tore seine Orientierung zurück. In Venedig, wohin er 1976 eingeladen worden war, um den israelischen Biennale-Pavillon zu bespielen, versetzte er die gleiche, dem Frieden gewidmete Idee in überschaubare Dimensionen. Dass seine Skulpturen und Environments nicht dazu da sind, nur von außen, also aus gewisser Distanz betrachtet zu werden, drückte er 1989 gegenüber einem verunsicherten Besucher seiner durch die…

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