Ausstellungen: Darmstadt , 1999

Martin Pesch

Marie-Jo Lafontaine

»Liquid Crystals«

Institut Mathildenhöhe, Darmstadt, 4.7. – 10.9.1999

Aus Anlass der Verleihung des Wilhelm-Loth-Preises hat Marie-Jo Lafontaine im Institut Mathildenhöhe eine Ausstellung mit größtenteils neuen Arbeiten eingerichtet. Spätestens seit der documenta 8 zählt die in Brüssel lebende Künstlerin zu einer der international renommiertesten Vertreterinnen der Videokunst, die bei ihr nie auf den Film alleine beschränkt, sondern Teil von Rauminstallationen und skulpturalen Entwürfen ist. In dieser Richtung geht sie auch mit ihren in Darmstadt präsentierten neuen Arbeiten weiter.

Beim Eintritt zur „Liquid Crystals“ betitelten Schau steht man vor dem einzig schon bekannten, seit 1992 des öfteren gezeigten Werk „Jeder Engel ist schrecklich“. Ein Stahlkegel bildet eine Art Trutzburg, in die man durch eine schmal Gasse eintreten muss. Rundum sind dort auf Augenhöhe Monitore in die Stahlumwandung eingelassen. Flammen sieht man, mal aggressiv flackernd, dann ruhig brennend, einen Globus, eine maskierte Figur; unterlegt ist die Sequenz mit Ausschnitten aus einem HipHop-Stück, einer Schießerei, die auch aus einem solchen stammen könnte, verzerrten Stimmen, elegischer Downtempo-Musik, bis jemand schließlich fragt: „Can anybody hear me?“. Lafontaine suggeriert Unheil, Schrecken und Ausweglosigkeit. Die Perfektion, mit der sie das Filmmaterial editiert und das gesamte Arrangement gestaltet, steht in einem seltsamen formalen Gegensatz zu der Brüchig- und Endlichkeit, die sie in dieser Arbeit thematisiert. Dies steht mit der Wirkung auf den Betrachter in Verbindung: Man ist einer gekonnt inszenierten visuellen Überwältigung ausgesetzt. Ähnlich wie bei den jüngeren Arbeiten von Bill Viola hat man auch bei Marie-Jo Lafontaine das Gefühl, dass das inhaltliche Anliegen vom sicher gesetzten Effekt überlagert wird.

Der…

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